Inhalt

Otmar Philipp
Winfired Böttcher (hg.): Klassiker des europäischen Denkens.

In „Klassiker des europäischen Denkens“ präsentieren 69 Wissenschaftler 100 Persönlichkeiten aus mehr als
14 europäischen Ländern mit ihren Vorstellungen und Visionen zur Zukunft Europas. Nach einem Geleitwort von Martin Schulz, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, erläutert der Herausgeber Winfried Bötticher Idee, Plan und Aufbau des Bandes sowie die Auswahlkriterien für die 100 Persönlichkeiten. In fünf Kapiteln wird das griechische, römische, jüdisch-christliche, muselmanisch-byzantinische und abschließend das Erbe Karls des Großen für Europa dargestellt.

Die 100 Persönlichkeiten werden biographisch und in ihrer jeweiligen Zeit vorgestellt, gegliedert in fünf Perioden: Die frühe Neuzeit von 1306-1648, die Aufklärung und ihre Folgen von 1649-1815, der Umbruch zur Moderne 1816-1913, die doppelte Katastrophe von
1914-1945 und „Phönix aus der Asche“ von 1946-2011. Als Beginn wurde das Jahr 1306 ausgewählt, in dem der französische Scholastiker Pierre Dubois einen ersten vollständigen Friedensplan für Europa entwarf. Letzter Klassiker ist der 2011 verstorbene, frühere tschechoslowakische Staatspräsident Václav Havel. Kaum jemand wird alle präsentierten Persönlichkeiten kennen.

Den Einzeldarstellungen folgt ein abschließendes Kapitel Böttichers zur Zukunft Europas. Darin entwickelt er eine konkrete Utopie für Europa als partizipativer Föderation neuer Art. Sie sieht er als Alternative zum bisherigen „Weiter so“ und zur Renationalisierung.

Der Band bietet einen hervorragenden Einblick in eine 700-jährige Kulturgeschichte. Trotz seines lexikalischen Charakters fällt es schwer, nicht von den einzelnen Beiträgen gefesselt zu werden und sich neugierig auch mit weniger bekannten Persönlichkeiten zu beschäftigen. Ein weiterer Band mit „Klassikern des europäischen Denkens“ wäre wünschenswert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag