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Gastkommentare - Pro
Ulrike Herrmann
Unausweichlich

Schuldenschnitt für Griechenland?

Ein Schuldenschnitt für Griechenland ist unausweichlich, denn die Griechen bedienen ihre Kredite sowieso nicht. Sie sind längst pleite. Die griechischen Staatsschulden belaufen sich momentan auf 322 Milliarden Euro und machen 175 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus. Diese Summen kann Griechenland unmöglich tilgen, was allerdings noch keine Nachricht ist. Staatsschulden werden nie zurückgezahlt. Auch Deutschland wird seine Kredite von rund zwei Billionen Euro nicht tilgen, sondern neue Darlehen aufnehmen, um alte abzulösen. Das stört niemanden, solange die Zinsen fließen.

Auf den ersten Blick scheinen die Griechen bei den Zinsen jedoch kein Problem zu haben. Sie belaufen sich nur auf etwa sechs Milliarden Euro im Jahr. Davon kann doch niemand Pleite gehen?

Doch, das geht. Denn die Griechen haben ihre Kredite im Ausland aufgenommen. Die Zinsen könnten daher nur erwirtschaftet werden, wenn die Griechen entsprechende Exportüberschüsse hätten. Sie haben aber nur minimale Exportüberschüsse – die auch kaum steigen dürften.

Denn die beiden Exportbranchen, Tourismus und Schifffahrt, machen nur ein Viertel der Wirtschaftsleistung aus, und bei den Importen lässt sich kaum sparen, weil sie schon auf ein Minimum geschrumpft sind. Viele Griechen sind inzwischen so arm, dass sie sogar auf lebensnotwendige Medikamente aus dem Ausland verzichten müssen.

Es kommt zu einem sinnlosen Kreisverkehr: Die Griechen zahlen die Zinsen auf ihre Auslandsschulden, indem sie neue Kredite aufnehmen – natürlich im Ausland. Die Gläubiger finanzieren ihre eigenen Zinsen. Also könnte man die griechischen Schulden auch gleich streichen, denn sie sind wertlose Zahlen in einem Computer.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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