Inhalt

Wirtschaft
Franz Ludwig Averdung
Offensive für Fachkräfte

Eine Offensive auf 32 Feldern zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland hat der Bundestag auf den Weg gebracht. Die Maßnahmen sind aufgelistet in einem Antrag der Koalitionsfraktionen (18/8614). Er wurde am Donnerstag mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD angenommen - gegen die Stimmen von den Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen.

In der Debatte machte sich Axel Knoerig (CDU) für ein "Umdenken bei der Fachkräfte-Rekrutierung" stark. Er hob damit einerseits auf die Digitalisierung mit ihrem "großem Wachstumspotenzial" ab. Nicht die Technik stehe dabei im Mittelpunkt, sondern der Mensch: "Das Wissen ist der Motor für die Innovationen von morgen." Anderseits beschwor er "alarmierende Zahlen" in Folge des demografischen Wandels - womöglich bis 2035 pro Jahr eine halbe Million Arbeitnehmer weniger.

Sabine Zimmermann (Linke) erklärte, für einen solchen "Schaufensterantrag" stehe ihre Fraktion "nicht zur Verfügung". Zimmermann griff besonders den Pflegesektor als einen Bereich mit Personalengpass heraus. Sie prangerte die schlechte Entlohnung an: "Der Pflegenotstand ist hausgemacht." Beim Blick auf technische Berufe wies sie darauf hin, dass nur noch 20 Prozent aller Betriebe ausbildeten. Sie setzte sich für eine Ausbildungslatzumlage ein.

Hans-Joachim Schabedoth (SPD) rühmte das "wunderbare System der Fachkräfte-Ausbildung" in Deutschland. Doch auch was gut sei, müsse ständig angepasst werden. Er stellte fest, dass es hierzulande 2,8 Millionen Studierende gebe - Tendenz steigend. Aber nur 1,4 Millionen junge Leute machten eine Ausbildung - eine stetig sinkende Zahl.

Dieter Janecek (Grüne) kritisierte nicht die 32 Maßnahmen. Doch die "Grundlinien" der Koalitions-Politik sähen anders aus. Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt? Erst nächstes Jahr werde sich entscheiden, ob überhaupt ein Einwanderungsgesetz komme. Frauenförderung? Das Betreuungsgeld halte Frauen von einer Job-Aufnahme ab. Flexibel länger arbeiten? Dazu passe nicht die von der Koalition durchgesetzte Rente mit 63.

CDU/CSU und SPD halten es, wie es in ihrem Antrag heißt, unter anderem für erforderlich, "Anreize für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zu schaffen". Das gelte besonders für die naturwissenschaftlich-technischen Bereiche ("MINT-Berufe"), in denen mehr Menschen gebraucht würden. Ein Engpass an Fachkräften sei zudem absehbar in den Feldern soziale Arbeit, Gesundheit und frühkindliche Erziehung. Auf die Chancen in diesen "SAGE-Berufen" sollten gerade junge Menschen frühzeitig hingewiesen werden.fla

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag