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Ortstermin: »Politik für und mit Menschen mit Behinderung«
Laura Heyer
Politische Barrierefreiheit im Bundestag

Anne Leichtfuß sitzt in einer kleinen grauen Kabine im Foyer des Paul-Löbe-Hauses des Bundestags. Sie lauscht konzentriert und spricht dann langsam und gleichmäßig in das Mikrofon an ihrem Kopfhörer. Anne Leichtfuß ist Dolmetscherin - aber nicht für Englisch oder Französisch, sondern für Leichte Sprache. Sie übersetzt komplexe Reden so, dass jeder Zuhörer sie verstehen kann. "Ich verändere die Struktur der Sätze und benutze einfachere Wörter", erklärt die junge Frau.

Bei der Veranstaltung "Politik für und mit Menschen mit Behinderung" am vergangenen Freitag ist sie nicht die einzige Übersetzerin. Vorne auf der Bühne stehen Gebärdendolmetscher, die die Worte der Redner in Gesten, mit Mimik und Mundlauten übersetzen, damit auch gehörlose Teilnehmer der Diskussion folgen können. Gleichzeitig läuft der Text der Vortragenden parallel für alle sichtbar auf einem Großbildschirm. Er wird von Anne Leichtfuß' Kollegen per Sprachcomputer live erstellt, damit die ganze Veranstaltung barrierefrei sein kann.

"Wir treffen uns hier mitten im Bundestag", sagt Edelgard Bulmahn (SPD), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, "um uns zuzuhören und miteinander zu sprechen." 2012 fand die Veranstaltung zum ersten Mal statt. 280 Vertreter der Interessengruppen von Menschen mit Behinderungen und Betroffenen trafen sich damals in zwölf Arbeitsgruppen und diskutierten über das Thema Inklusion. Vier Jahre später steht besonders das neue Bundesteilhabegesetz zur Debatte. Am Tag zuvor war es in der ersten Lesung im Bundestag eingebracht worden (siehe Seite 1 bis 3).

Zwischen den Stuhlreihen gegenüber der Bühne ist Platz für Rollstühle und Blindenhunde. Udo Zeller sitzt selbst im Rollstuhl. Der kommunale Behindertenbeauftragte von Potsdam-Mittelmark ist von seinem Wahlkreisabgeordneten, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), eingeladen worden. "Es wird zu sehen sein, ob die Abgeordneten aus dem Termin ihre Schlüsse ziehen und noch etwas am Gesetz verändern", sagt Zeller.

In der Diskussion stellen sich die behindertenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen den Fragen aus dem Plenum. Bei weit über 100 Teilnehmern gibt es zahlreiche kritische Anmerkungen. Fast alle haben die Einbringung des Bundesteilhabegesetzes am vergangenen Donnerstag verfolgt. Viele sprechen aber auch über die alltäglichen Probleme von Behinderten. "Jeder Bahnhof sollte barrierefrei sein", merkt einer der Teilnehmer an. Eine junge Mutter schildert die Probleme ihres kleinen Sohnes, der im Rollstuhl sitzt und später Begleitung im Alltag brauchen wird.

Zum Abschluss dankt Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) den Organisatoren und Dolmetschern, die den ganzen Vormittag so gestaltet haben, dass er für alle Teilnehmer ohne Barrieren zu bewältigen ist. Anne Leichtfuß ist schon im Gespräch mit ein paar Zuhörern. Sie will nachfragen, ob diese alles verstanden haben, damit sie beim nächsten Mal wieder für alle übersetzen kann.Laura Heyer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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