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USA
Dirk Hautkapp
Die Vorentscheidung naht

Mit dem »Super Tuesday« wird es ernst für die Bewerber um die Nachfolge von Barack Obama

Bisher kreiste im Ausleseprozess um den künftigen Entscheider im Weißen Haus alles um das, was die Amerikaner "Momentum" nennen - die Gunst des Augenblicks. Mit Siegen in Iowa und New Hampshire, den traditionellen Auftakt-Bundesstaaten im Vorwahl-Marathon, und kurz darauf in Nevada und Süd-Carolina haben die republikanischen (noch fünf) und demokratischen Bewerber (zwei) für die Nachfolge von Barack Obama allein auf die Schwungkraft gesetzt, die sie bis zu den Nominierungs-Parteitagen im Juli tragen soll.

Hillary Clinton bei den Demokraten und Donald Trump bei den Republikanern haben die Ouvertüre mit jeweils drei Siegen am besten bestanden. Richtig ernst wird es für sie und die Konkurrenz aber erst ab diesem Dienstag. Dann wird der Taschenrechner zum wichtigsten Utensil im teuersten Wahlkampf aller Zeiten - der große Delegierten-Count beginnt. Am "Super Tuesday" werden bei den Demokraten in Alabama, dem Außen-Territorium American Samoa, Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont, Virginia rund 1.000 Delegiertenstimmen vergeben. Nimmt man in den Tagen danach noch Kansas, Louisiana, Nebraska, Maine, die Demokraten im Ausland, Michigan, Mississippi, das Außen-Territorium Nördliche Marianen, Florida, Illinois, Missouri, Nord-Carolina und Ohio hinzu, erhöht sich das Stimmenpaket bis zum 15. März auf knapp 2.000.

Zielmarke Um diese Zeit, so haben US-Meinungsforscher und Analysten kalkuliert, könnte also schon relativ verlässlich absehbar sein, ob Hillary Clinton die Zielmarke von 2.383 Stimmen erreicht oder ihr einziger Herausforderer Bernie Sanders, der Senator aus Vermont. 2.383 Stimmen - so viel Unterstützung muss ein Bewerber bei den Demokraten erreichen, um beim Krönungsparteitag Ende Juli in Philadelphia offiziell auf den Schild gehoben zu werden. Die letzten Vorwahlen finden im Juni statt.

Das ist bei den Republikanern genauso, nur sind die Zahlenverhältnisse anders. Um auf dem Parteitag im Juli in Cleveland als Kandidat der "Grand Old Party" ausgerufen zu werden, benötigt man 1.237 Delegiertenstimmen. Bisher wurden erst 130 verteilt. Davon hat Trump rund 80 eingesammelt. Am Super-Dienstag stehen für Trump & Co. in Alabama, Alaska, Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont, Virginia, Wyoming rund 630 Voten auf dem Spiel. Nimmt man in den Tagen bis zum 15. März noch Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Puerto Rico, Hawaii, Idaho, Michigan, Mississippi, Guam, die Hauptstadt Washington, D.C., Florida, Illinois, Missouri, Nord-Carolina, die Nördlichen Marianen und Ohio hinzu, erhöht sich der Saldo auf rund 1.300.

Weder bei Demokraten noch Republikanern kann ein Kandidat, selbst wenn er einen Bundesstaat gewinnt, zurzeit alle Stimmen bekommen. Die Platzierten werden proportional bedacht. Bei den Demokraten bis zum Schluss, bei den Republikaner bis zum 15. März. Deshalb gelten dort Bundesstaaten wie Florida und Ohio als besonders wichtig. Dort werden insgesamt rund 160 Stimmen nach dem Prinzip "Winner takes all" verteilt.

Kampagnen Ab der ersten Märzwoche verändert sich der Charakter des Wahlkampfs enorm. Persönliche Kontakte, wie sie die Kandidaten zu Beginn in intimen Townhall-Meetings in Kirchen, Turnhallen und Restaurants in Iowa und New Hampshire pflegten und basisdemokratische Nähe zwischen Volk und Volksvertretern praktizierten, sind dann gestrichen. Wo und wie Ressourcen eingesetzt werden, entscheiden Landkarte und Umfragewerte. Fernsehauftritte und TV-Werbespots dominieren die absehbar hässlicher werdende Auseinandersetzung. Das Image der Kandidaten wird immer wichtiger. Weil der Anteil der Wähler, die sich erst unmittelbar vor dem Wahlgang entscheiden, bei mehr als 50 Prozent liegt, überlassen die Strategen der einzelnen Kampagnen nichts mehr dem Zufall. Jeder Fehler, der über die Medien verbreitet wird, kann nun schwerwiegende Folgen haben. Legt man das Mittel der seriösen Meinungsforscher zugrunde, haben Donald Trump und Hillary Clinton aus heutiger Sicht die größten Chancen, sich bis Mitte März den Weg Richtung Nominierung zu ebnen. Ein Bau-Unternehmer also gegen eine frühere First Lady und Außenministerin? Amerika ist gespannt.

Der Autor berichtet als Korrespondent der Funke-Mediengruppe aus Washington.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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