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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Donald Trump verdankt seinen Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl nicht zuletzt seinem Image als starker Führer. Trump habe, so schreibt der Oxforder Politologe Archie Brown, während des Wahlkampfs Härte demonstriert und sich so einem großen Teil der Öffentlichkeit glaubhaft als solchen präsentiert. Auch wenn dies keineswegs automatisch bedeute, dass er ein effektiver Führer ist. In seinem aktuellen und exzellenten Buch beschäftigt sich Brown mit dem "Mythos vom starken Führer" in demokratischen, revolutionären, autoritären und totalitären politischen Systemen.

Brown analysiert die Rolle politischer Führer anhand konkreter Fallstudien. So habe Tony Blair 2003 sein Land "unter falschen Voraussetzungen" in den Irak-Krieg geführt und "war nicht bereit, Meinungen zu berücksichtigen, die seiner Gewissheit oder seinem Wunsch widersprachen, stets an der Seite des amerikanischen Präsidenten zu bleiben". Der Mythos vom starken Führers in demokratischen Systemen beruhe auf bedeutsamen Missverständnissen, stellt der Autor fest. Vor allem in parlamentarischen Demokratien gebe es die Tendenz, der Person an der Spitze der Regierung übergroßes Gewicht beizumessen: Die politischen Leistungen des Kabinetts würden dem Regierungschef ebenso zugeschrieben wie die Wahlsiege seiner Partei. Der grundlegende Irrtum bestehe darin, jenen Typus des politischen Führers als wünschenswert zu betrachten, der seine politische Vorrangstellung durchsetzt, indem er seine Minister übergeht und sich stattdessen auf seine persönlichen Seilschaften stützt.

Archie Brown kritisiert explizit jene demokratischen Führer, die glauben, sie hätten "einen persönlichen Anspruch darauf, die Entscheidungsfindung in zahlreichen Politikbereichen zu dominieren". Das Beharren auf dieses vermeintliche Vorrecht schade einer guten Regierungsführung genauso wie der Demokratie insgesamt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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