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Gastkommentare - Pro
Martin Ferber, "Augsburger Allgemeine"
Ehrlicher Makler

Mehr deutsches Engagement in Syrien?

Schlägt nun im Syrien-Konflikt die Stunde der Diplomaten? Nach den Luftangriffen auf Ziele des Assad-Regimes ist in den westlichen Hauptstädten der Ruf nach einer politischen Lösung unüberhörbar, Berlin und Paris haben bereits auf EU-Ebene eine gemeinsame Initiative gestartet, um den eingefrorenen Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. Doch die bittere Wahrheit ist: Diese Rufe werden ungehört verhallen. Berlin alleine ist militärisch wie politisch zu schwach, um Einfluss auf die Konfliktparteien nehmen zu können. Und an Resolutionen des Sicherheitsrates herrscht schon jetzt kein Mangel.

Das allerdings ist kein Grund zum Nichtstun und Wegschauen. Deutschland mag so lange keine aktive Rolle im Nahen Osten spielen, so lange die beiden Großmächte Russland und USA und die beiden regionalen Hegemonialmächte Türkei und Iran auf syrischem Boden ihre eigenen Interessen verfolgen und ihren Kampf um die Vormachtstellung austragen. Danach aber könnte Deutschland als "ehrlicher Makler" gebraucht werden, da die Bundesregierung trotz aller Spannungen im Verhältnis zu Moskau, Washington, Ankara und Teheran noch immer über bewährte Kontakte und verlässliche Kanäle zu allen am Konflikt beteiligten Mächte verfügt. Diese mögen im Einzelfall schon mal besser gewesen sein, doch sie können genutzt werden, um in geduldiger diplomatischer Überzeugungsarbeit hinter den Kulissen an einer von allen akzeptierten Nachkriegsordnung zu arbeiten. Gerade weil Deutschland keine eigenen Interessen in der Region verfolgt und sich an den jüngsten Luftschlägen auch nicht beteiligt hat, könnte bald schon seine Stunde als Vermittler schlagen.

Das ist im Augenblick sehr wenig, wohl wahr. Aber mehr als nichts.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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