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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Die Leiterin für Medienentwicklung der Deutschen Welle Akademie, Ute Schaeffer, hat ein großartiges Buch über den Informationskrieg gegen unsere Demokratie vorgelegt. Sie weist nach, wie die digitalen Medien und soziale Netzwerke als Waffe eingesetzt werden. Dank ihrer quellenreichen, gut strukturierten Recherche erfahren die Leser, wie Politik und Gesellschaft in den letzten Jahren durch zahlreiche Internetkampagnen beeinflusst wurden. Es finde eine "fundamentale Veränderung des öffentlichen Informationsraums" statt, analysiert Schaeffer. Die politische Meinungsbildung werde immer öfter durch Meldungen voller Hass und Häme vergiftet.

Im Mittelpunkt des Buches stehen nicht die offensichtlichen "Fakes", die mit Fakten leicht widerlegt werden können. Viel gefährlicher sind jene gezielt verbreiteten und gut ausgedachten Falschinformationen, hinter denen sich politische Aktivisten, Parteien und fremde Regierungen verstecken. Schaeffer erklärt, dass sich die Medienkonsumenten zunehmend in ihren eigenen Echokammern - den "Informationsblasen" - bewegen, die Diskurse ihrer Gegenüber nicht mehr zur Kenntnis nehmen und somit manipulierbar werden. Erschwerend hinzu komme, dass die etablierten Parteien und die Medien einen Bogen um strittige Themen machen: "Die politischen Debatten halten nicht Schritt mit dem, was uns politisch herausfordert." Schaeffer nennt aktuelle Beispiele wie die Debatte um die Obergrenze für Flüchtlinge und deren Integration, den Kampf gegen Kinderarmut oder die Ehe für Alle.

Aus den über 100 großen und kleinen Fällen lässt sich ableiten, warum die "Informationskrieger" so erfolgreich sind: Für das Netz gestalten die Akteure ihre politischen Positionen als emotionale Erzählungen. Durch "Liken" und "Reposten" dieser Geschichten wird der Bürger zum Mitstreiter für die angeblich gute Sache.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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