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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, glaubt an eine friedliche Zukunft. Dieses Ziel sei jedoch nicht zu erreichen, "wenn wir glauben, die Krisen in der Welt aussitzen oder gar ignorieren zu können". Dem ehemaligen deutschen Botschafter in Washington gelingt es, die komplizierte Weltlage und die damit einhergehenden Herausforderungen in einem gut lesbaren Buch zu vermitteln. Ischinger analysiert die aktuellen Konflikte, darunter die Kriege in Syrien und in der Ostukraine. Detailliert erläutert er die Instrumente der internationalen Politik, so dass auch Laien politische Entscheidungen leichter nachvollziehen können. Ischinger rät dazu, gegenüber Russland und China auf den Prinzipien des Völkerrechts zu bestehen. Moskau habe mit der Annexion der Krim allein sechs Verträge verletzt und damit die europäische Sicherheitsarchitektur de facto zerstört.

Der Ex-Diplomat redet Tacheles: In der Politik des "America First" erkennt er eine Gefahr für die Weltstabilität und für die Zukunft Europas. Mit Erstaunen registriert er, dass der einst unbestrittene Führer der "freien Welt" seine engen Nato-Verbündeten brüskiert und mit ihnen einen veritablen Handelskrieg anzettelt. Gleichzeitig umschmeichle Präsident Trump "in irritierender Weise Autokraten auf der ganzen Welt" und werde nicht müde, sich über die Europäer zu beschweren. Mit welchen Konsequenzen hat Europa zu rechnen, wenn der "Weltpolizist" auf diese Rolle verzichtet? Immerhin waren die USA seit Gründung der Bundesrepublik "so etwas wie die ultimative Lebensversicherung für uns".

Ischinger empfiehlt, EU und Deutschland sollten sich auf eine aktivere Rolle in der internationalen Ordnungspolitik einstellen und dazu einen größeren Beitrag leisten. Zuerst müssten die EU-Mitgliedstaaten jedoch ihre Streitigkeiten über die Flüchtlingsquoten und die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien beilegen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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