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Claus Peter Kosfeld
Wagenknecht tritt kürzer

Linksfraktionschefin will Posten abgeben

Nach vier Jahren an der Spitze der Linksfraktion im Bundestag will Sahra Wagenknecht (49) bei der Neuwahl der Fraktionsführung im Herbst nicht mehr für diesen Posten kandidieren. Die Vertreterin des linken Parteiflügels informierte in der vergangenen Woche zunächst ihre Fraktion von der Entscheidung und dann auch die Öffentlichkeit. Für ihren Rückzug führte sie gesundheitliche Gründe an.

Wagenknecht führt die Fraktion seit Oktober 2015 gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Dietmar Bartsch. Zuvor war die aus Jena stammende Ökonomin und Publizistin seit November 2011 erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Wagenknecht ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und will ihr Mandat auch behalten.

Die scheidende Fraktionschefin sagte, sie sei stressbedingt knapp zwei Monate lang krank gewesen. In dieser Zeit des Nachdenkens habe sie die Entscheidung getroffen, sich vom Fraktionsvorsitz zurückzuziehen. Sie sagte: "Ich habe gemerkt, dass ich so nicht weitermachen kann." Die Gesundheit habe ihr Grenzen gesetzt. "Wenn man den Warnschuss nicht ernst nimmt, geht das nicht gut aus." Sie wolle künftig den Dauerstress vermeiden, werde sich jedoch in den anstehenden Wahlkämpfen für die Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen engagieren.

Rückblickend sagte Wagenknecht, es sei eine erfolgreiche, aber anstrengende Zeit gewesen, "die mir an die Substanz gegangen ist". Sie freue sich darauf, künftig wieder mehr zu schreiben. "Jetzt kommt für mich ein neuer Abschnitt."

Kurz zuvor hatte Wagenknecht bereits den Rückzug aus der Führungsmannschaft der von ihr mit initiierten linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" verkündet. Dieses Engagement hatte sowohl in der Fraktion wie auch innerhalb der Linkspartei heftigen Streit ausgelöst.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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