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invictus games
Götz Hausding
»Anerkennung ausdrücken und Rehabilitation unterstützen«

Die internationale Sportveranstaltung für kriegsgeschädigte Soldaten soll nach Deutschland geholt werden

Bei Union und SPD hat offenbar ein Umden hinsichtlich der "Invictus Games" stattgefunden. Nachdem die Regierungsfraktionen erst im November 2018 einen FDP-Antrag (19/4535) abgelehnt hatten, dieses internationale Sportereignis für im Einsatz geschädigte Soldaten nach Deutschland zu holen, schlagen sie dies nun in einem eigenen Antrag (19/8262) vor, den der Bundestag in der vergangenen Woche in erster Lesung beraten hat. Fünf der sechs Bundestagsfraktionen stehen diesem Ansinnen durchaus positiv gegenüber. Die Linksfraktion indes sieht noch Klärungsbedarf, birgt aus ihrer Sicht die Ausrichtung eines solchen Sportereignisses doch die Gefahr, "Militäreinsätze zu normalisieren", wie Andre Hahn (Die Linke) während der Debatte sagte.

Zeichen des Respekts Die Bundesregierung begrüße das Vorhaben, die "Invictus Games" 2022 oder 2024 in Deutschland auszurichten, machte Verteidigungs-Staatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) deutlich. Die 2014 vom Mitglied der englischen Königsfamilie, Prinz Harry, als Zeichen des Respekts für einsatzgeschädigte, traumatisierte, unfallgeschädigte und erkrankte Soldaten ins Leben gerufene Veranstaltung verfolge das Ziel, "nicht nur Anerkennung auszudrücken, sondern auch die Rehabilitation zu unterstützen".

"Aus vollem Herzen" stimme seine Fraktion dem Antrag zu, sagte Jörn König (AfD). Es sei selbstverständlich, Anerkennung und Wertschätzung "für unsere Soldaten zu zeigen, die im Dienst dauerhafte körperliche wie seelische Schäden erleiden mussten". Völlig inakzeptabel sei es aber, dass die Regierung nach dem Motto "Brot und Spiele" verfahre. Obwohl sie die Machtmittel habe, "um die gesundheitsgefährdenden Auslandseinsätze unserer Soldaten zu beenden", tue sie es nicht, kritisierte er.

Detlev Pilger (SPD) entgegnete, es sei nicht die Regierung sondern das Parlament, das Soldaten in Kriegseinsätze schicke. Die "Invictus Games" nach Deutschland zu holen wäre aus seiner Sicht ein besonderes Zeichen der Anerkennung der einsatzgeschädigten Soldaten, "die im Dienst für unser Land Gesundheit und Leben riskierten".

Er könne Pilger und Silberhorn inhaltlich nur zustimmen, sagte Marcus Faber (FDP). "Aber warum haben Sie vier Monate für diese Erkenntnis gebraucht", fragte er. Seine Fraktion werde dem Antrag zustimmen, "auch wenn er kleinlaut und geklaut ist", kündigte er an. Zugleich warf er Union und SPD vor, Parteipolitik mit Kriegsversehrten zu machen.

Tobias Lindner (Grüne) wies darauf hin, dass die "Invictus Games" ein Symbol seien. "Ein Symbol muss per se in der Politik nichts Schlimmes sein, wenn man darüber nicht vergisst, dass es am Ende des Tages mehr braucht als nur solche Spiele."

Für Dieter Stier (CDU) ist ganz klar: Wer sich zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr bekennt, "muss auch bereit sein, für die Zeit danach Verantwortung zu übernehmen". Mit der Ausrichtung der Veranstaltung in Deutschland könne man dem gerecht werden und einen Beitrag "für Anerkennung, für Unterstützung und für Zukunftsperspektive leisten". Hahn befand, Wertschätzung verdienten aus Sicht der Linken alle Menschen mit bleibenden körperlichen und seelischen Verletzungen. "Nicht nur die in Kriegen eingesetzten Soldaten der Bundeswehr und ihrer Bündnispartner."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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