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Bernd Haunfelder
Klaus Kinkel gewürdigt

Vor Eintritt in die Tagesordnung hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) den am 4. März verstorbenen ehemaligen Bundesaußenminister und Vorsitzenden der FDP Klaus Kinkel gewürdigt. "Klaus Kinkel hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir verlieren mit ihm einen Staatsdiener im besten Sinne des Wortes. Einen Spitzenbeamten, der nicht nach Ämtern strebte, sich aber immer in die Pflicht nehmen ließ", sagte Schäuble. Kinkels Tod bedeute für ihn "den Verlust eines politischen Weggefährten und Freundes, dessen Loyalität, Belesenheit und Warmherzigkeit fehlen wird", fügte er hinzu. Der im Alter von 82 Jahren verstorbene Jurist, der aus Metzingen/Kreis Reutlingen stammte, blickte auf eine ämterreiche Karriere zurück. Kein vormaliger Spitzenbeamter ist seit 1949 in solche politische Höhen gestiegen wie der erst 1991 zur FDP gestoßene Kinkel. Ein klassischer Berufspolitiker wollte er nie sein und wurde es am Ende doch. Er war, 1970 von dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) entdeckt, bald dessen persönlicher Referent und Büroleiter. Mit ihm wechselte er 1974 ins Auswärtige Amt. 1979 trat Kinkel als erster Zivilist an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes, amtierte von 1982 bis 1991 als Staatssekretär im Justizministerium und übernahm danach für ein Jahr dessen Leitung. Auch Kinkels Beitrag zur Gestaltung der Wiedervereinigung war beachtlich, denn er überführte das DDR-Recht in den Einigungsvertrag. Als Genscher 1992 zurücktrat, folgte ihm Kinkel als Außenminister. Er war das Gesicht der deutschen Außenpolitik in den späten Jahren der Ära Kohl und setzte in einer von zahlreichen Krisen geprägten Welt bis 1998 die auf großes Vertrauen beruhende Linie seines Mentors fort. Von 1993 bis 1995 stand Kinkel zugleich an der Spitze der FDP. Nach der Wahlniederlage von "Schwarz-Gelb" 1998 verließ auch er die große Bühne, gehörte von 1994 bis 2002 aber noch dem Bundestag an.bmh

Aus Politik und Zeitgeschichte

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