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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

"Es ist irgendwie unheimlich, nach Hiroshima zu fliegen", meinte Barack Obama während seines Flugs nach Japan im Jahr 2016. Er war der erste US-Präsident, der die von einer Atombombe zerstörte Stadt aufsuchte, um ihrer Opfer zu gedenken. Alle seine Vorgänge hatten diese Geste tunlichst vermieden. Der Besuch war Teil der "Obama Doktrin", also des Versuchs, die Welt Schritt für Schritt etwas besser zu machen, vor allem aber "keinen Mist zu bauen". Zu diesem Zeitpunkt hatte Obama bereits sieben Jahre als Präsident hinter sich. Über die Hintergründe seiner Außen- und Sicherheitspolitik, von der "Einzigartigkeit" seiner Denkweise, berichtet Ben Rhodes, Obamas Redenschreiber und stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater.

Er begleitete die beiden Amtsperioden des Präsidenten und erlebte weitere historische Entscheidungen des charismatischen Afroamerikaners. Unter seiner Mithilfe entstanden berühmte Reden, darunter über den Islam, Nelson Mandela oder den Vietnam-Krieg. Detailliert beschreibt Rhodes seine Missionen im Auftrag des Präsidenten: Beispielsweise die Geheimverhandlungen mit Raúl Castros Sohn in Kanada, die nicht nur zur Freilassung politischer Gefangener in Kuba führte, sondern dank der Vermittlung von Papst Franziskus den Besuch Obamas in Havanna ermöglichte. Der erste Besuch eines US-Präsidenten seit 1928.

Obama führte die Absurdität mancher Tabus vor: "Sagen Sie ihnen einfach, ich würde mich freuen, ihn zu treffen." Es ging um ein kurzes Gespräch im UN-Gebäude mit dem frisch gewählten iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Die Iraner traf die Anfrage unvorbereitet und lehnten ab. Daraufhin rief Obama Rohani in dessen Wagen an und machte Witze über den New Yorker Verkehr. Drei Jahre später wurde gegen den Widerstand Israels und der Republikaner der Atom-Deal mit Teheran vereinbart. Auch über die US-Politik gegenüber Irak und Syrien, den Krieg in Libyen und in der Ostukraine erfährt der Leser hochinteressante Details in diesem faszinierenden Dokument der Zeitgeschichte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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