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EDITORIAL
Jörg Biallas
Trauriges Image

Ein Satz, der in der vergangenen Woche vielfach zu hören und zu lesen war, ist alles andere als eine Phrase: 70 Jahre hat die Nato Frieden und Sicherheit in Europa garantiert.

Fürwahr, das westliche Verteidigungsbündnis kann an seinem Jubiläum eine stolze Bilanz ziehen. Der Nordatlantikpakt ist eine Erfolgsgeschichte, die freilich angesichts aktueller Krisen nicht in dem Glanz erscheint, den sie verdient hätte.

Ausgerechnet der stärkste und mächtigste Partner, die Vereinigten Staaten von Amerika, stellen den Vertrag in Frage. In seinem "America-first"-Wahn kritisiert US-Präsident Donald Trump fast schon zwanghaft internationale Verpflichtungen seines Landes. Die Nato macht da keine Ausnahme.

Allerdings liefert ausgerechnet Deutschland Trump ein starkes Argument. Die Nation, die im vergangenen Jahrhundert wie keine andere Leid und Elend über die Welt gebracht und deshalb eine besondere Verpflichtung zum Frieden hat, vernachlässigt die Zahlungsverpflichtungen für das Bündnis. Daraus ist längst ein Konflikt erwachsen, der den inneren Zusammenhalt der Nato deutlich belastet.

Die Nato, einst gegründet als militärische Sicherheitsgemeinschaft gegen expansive Bestrebungen der Sowjetunion, steht Russland auch heute wieder kritisch, bisweilen konfrontativ gegenüber. Das hat zu tun mit der russischen Annexion der Krim, der Haltung des Landes im syrischen Bürgerkrieg, aber auch mit der Osterweiterung der Nato, die Russland als Bedrohung empfindet.

Eine funktionierende Nato ist keine Selbstverständlichkeit. Auch diese Gemeinschaft will gepflegt sein und erwartet zu Recht, dass Abmachungen eingehalten werden.

Das Urteil über Deutschland in der internationalen Runde mag nicht ganz fair sein, ist aber leider verheerend: Die Armee in einem der reichsten Nato-Staaten ist in einem beklagenswerten Zustand und in dieser Form nur bedingt eine Bereicherung für das Bündnis.

Fußnote: Rechtzeitig zum Nato-Jubiläum hat die Berliner SPD gefordert, dass Jugendoffiziere der Bundeswehr in der Hauptstadt keine Schulen mehr besuchen dürfen, um über die Arbeit in der Armee zu berichten. Begründung: "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung."

Gibt es noch Fragen zum Image der Bundeswehr?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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