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Gastkommentare - Pro
Norbert Lossau, "Die Welt", Berlin
Wichtige Hinweise

DNA-Fahndung ausweiten?

A us DNA-Spuren an einem Tatort lassen sich viele Informationen über potenzielle Täter gewinnen. Bislang ist indes nur die Ermittlung des Geschlechts erlaubt. Doch auch das Alter von Tatverdächtigen kann für die Fahndung sehr relevant sein. Es macht einen großen Unterschied, ob man nach einem Mann im Rentenalter oder einem 20-Jährigen sucht. Aus einer DNA-Probe lässt sich das Alter auf drei bis vier Jahre genau bestimmen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine forensische Altersbestimmung - im Gegensatz zur Ermittlung des Geschlechts - ein Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht sein sollte.

Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass neben Geschlecht und Alter auch die Haar-, Haut- und Augenfarbe eines potenziellen Täters ermittelt werden darf. Auch diese Informationen können für Ermittler sehr wertvoll sein. Kritiker befürchten, dass die Nutzung dieser Informationen zu einer pauschalen Verdächtigung bestimmter Personenkreise allein auf Grundlage äußerer Merkmale führen könnte. Das Schlagwort vom "Racial Profiling" macht die Runde.

Tatsächlich lassen sich Hautfarben nicht mit absoluter Sicherheit aus DNA ermitteln. Die Unterscheidung zwischen weiß und schwarz gelingt nur mit einer Trefferquote von 95 bis 98 Prozent. Intermediäre Hautfarben lassen sich gar nur zu 84 Prozent vorhersagen. Deshalb aber zu fordern, man möge lieber ganz auf diese fahndungsrelevanten Informationen verzichten, ist unsinnig. Es würde reichen, diese Erkenntnisse nur den Ermittlern zur Verfügung zu stellen, die damit im Bewusstsein der methodischen Grenzen umgehen. Wenn diese "fahndungstechnischen" Details nicht öffentlich sind, ist rassistischer Missbrauch ausgeschlossen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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