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Gastkommentare - Contra
Markus Decker, Redaktionsnetzwerk Deutschland
Der gläserne Mensch

DNA-Fahndung ausweiten?

E s gibt natürlich jede Menge Gründe, Kriminellen auf die Spur zu kommen und dabei die technischen Möglichkeiten zu nutzen. Und das Faszinierende an DNA-Spuren ist zweifellos, dass mit ihnen auch noch Jahrzehnte zurückliegende Verbrechen aufgeklärt werden können. Trotzdem darf man nicht alle technischen Möglichkeiten nutzen. Die Ausweitung der DNA-Analyse auf Augen-, Haar- und Hautfarbe sowie das Alter sollte ausscheiden.

Zum ersten weisen Kritiker mit Recht auf die Begründung des Gesetzentwurfes zur "Modernisierung des Strafverfahrens" hin. Darin heißt es nämlich, dass es in Fällen einer möglichen Zuordnung von Spuren zu Angehörigen einer Minderheit nicht zu einem Missbrauch dieses Umstandes im Sinne rassistischer Stimmungsmache kommen dürfe. Genau die Gefahr besteht aber. Längst ist ja oft, wenn Sicherheit gefordert wird, Sicherheit vor Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund gemeint. Längst ist es auch Usus geworden, die Nationalität von Verdächtigen oder überführten Straftätern zu nennen. Wir kommen hier mehr und mehr auf eine abschüssige Bahn.

Das zweite Problem liegt in den technischen Möglichkeiten. Viele vor allem digitale Innovationen können zur Kriminalitätsbekämpfung bestens verwandt werden. So ließe sich der Aufenthaltsort der allermeisten Menschen über ihre Smartphones lückenlos erfassen. Und hinter der Videoüberwachung lugt die automatische Gesichtserkennung hervor, die ja schon erprobt wird. Die Versuchung wird wachsen, von allen Instrumenten Gebrauch zu machen - erst bei Kapitalverbrechen, dann bei geringfügigeren Delikten. Stets im Sinne der guten Sache. Am Ende steht der gläserne Mensch.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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