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Ausbildungsfortbildung
Annette Rollmann
Der berufliche Aufstieg soll attraktiver werden

Opposition geht Gesetzesnovelle der Bundesregierung nicht weit genug

Auch wenn der Opposition die von der Regierungskoalition geplanten Veränderungen am Ausbildungsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) nicht weit genug gehen, begrüßen alle Fraktionen die Reform im Grundsatz. Über den entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung (19/15273) debattierte der Bundestag am vergangenen Freitag in erster Lesung.

Mit der Novelle soll die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Ausbildung gefördert werden. Durch Leistungsverbesserungen und die Erweiterung der Fördermöglichkeiten für jeden Einzelnen sollen berufliche Aufstiegsfortbildungen attraktiver werden.

Theorie und Praxis Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: "Weiterbildung heißt das Gebot der Stunde." Der Alltag von "uns allen hängt von vielen gut ausgebildeten Menschen" ab. Es seien die Handwerker, die Pflegekräfte, die Dienstleister, die das Land Tag für Tag am Laufen halten: "Und sie sollen wissen, dass wir an ihrer Seite stehen, wenn sie den beruflichen Aufstieg angehen wollen." Die Arbeitswelt würde sich in rasanter Geschwindigkeit weiter entwickeln, gerade deshalb brauche man die enge Verzahnung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung. Sie betonte, das neue AFBG sehe die stärksten Leistungsverbesserungen vor, die es je gegeben habe.

Ulrike Bahr (SPD) argumentierte, das neue AFBG gebe die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel. Es gebe Berufstätigen ein wirksames Instrument an die Hand, damit sie in ihre eigene berufliche Zukunft investieren können. "Wer sich weiterbildet, hat auch gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt von morgen, trotz Strukturwandel und Digitalisierung", sagte sie. Ähnlich positiv äußerte sich auch Stephan Albani (CDU) über die geplant Novelle. Weiterbildung werde das zentrale Thema für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Die Unionsfraktion wolle das Interesse an Zukunft, an Freude an Veränderung wecken und vermitteln.

Meisterausbildung Götz Frömming (AFD) lobte zwar die grundsätzliche Richtung der Novelle, mahnte aber, dass die Wertschätzung auch durch eine Gleichstellung bei der staatlichen Förderung zum Ausdruck gebracht werden müsse und forderte mehr finanzielle Unterstützung bei der beruflichen Fortbildung für den Einzelnen. Er betonte, dass Studenten durch die kostenlose Studiengänge und Bafög-Leistungen eine sehr großzügige staatliche Unterstützung erhalten würden. "Wenn sich einer der Handwerker dann aber selbst fortbilden möchte, ist das für ihn nicht umsonst", kritisierte Frömming und sagte an die Adresse der Ministerin gerichtet: "Hier hätten sie klotzen müssen und nicht kleckern."

Teilzeit Ähnlich argumentierte auch Jens Brandenburg (FDP) und nannte es "ungerecht", dass man an den Hochschulen kostenfrei studieren könne, für die Meisterausbildung aber auch in Zukunft noch mehrere Tausend Euro auf den Tisch legen müsse. Zudem forderte Brandenburg, die Unterstützung auch auf Menschen in Teilzeitfortbildung auszudehnen, da der Unterhaltsbeitrag nach dem Gesetzentwurf nur denen zur Verfügung stehe, die in Vollzeitfortbildung seien.

Die Linksfraktion kritisiert in einem Antrag (19/15774), dass der Gesetzentwurf Schüler bei der sogenannten praxisintegrierten Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher von dieser Form individueller Förderung weitgehend ausschließe. Birke Bull-Bischoff (Linke) forderte deshalb ein Gesetz, mit dem alle Formen der Erzieherausbildung, insbesondere die integrierte Form der Ausbildung, einschließlich der Praxisphasen förderfähig werden.

Nach Ansicht der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen geht der Gesetzentwurf zur Änderung des AFBG zwar in die richtige Richtung, ist jedoch nicht weit genug gesteckt. Beate Walter-Rosenheimer sagte: Wir wollen "eine Vertiefung persönlicher Kompetenzen im Beruf fördern und Weiterbildung breit und für alle aufstellen."

Bafög Wie auch im Antrag ihrer Fraktion "Vom Aufstiegs-Bafög zum Weiterbildungs-Bafög" (19/15803), forderte die grüne Bildungspolitikerin, die Fortbildung mit einem gesetzlichen Recht auf Weiterbildung für alle zu unterlegen. "Ohne dieses Recht bleibt jede Weiterbildungsstrategie eine leere Hülse."

Zudem ist nach Ansicht der Grünen die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung erst dann gegeben, wenn sowohl die Maßnahme als auch der Lebensunterhalt für die berufliche Weiterbildung und den berufsbildenden Karriereweg gewährleistet ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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