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Aschot Manutscharjan
Kurz Rezensiert

Allen Unkenrufen zum Trotz: Das post-heroische Zeitalter ist noch nicht angebrochen. Es gibt neue Heldinnen oder auch Hassfiguren. Zu ihnen gehört je nach Standpunkt Carola Rackete, Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3". Im Rahmen ihrer Biografie veröffentlichte sie ein Manifest für die Rettung von Menschleben. Ihre Leser fordert sie auf, "zu handeln", sich Bewegungen wie Extinction Rebellion oder Fridays for Future anzuschließen.

"Es ist Zeit, die Wahrheit über die Klimakrise zu sagen." Naturkatastrophen führten "zu Kriegen und dem Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation". Rackete verweist auf einige Dutzend Studien zur Klimakrise und beschreibt eine Endzeit-Stimmung. Zwar sei der Klimawandel nicht die einzige Ursache für Armut, aber sie bringe "die Jugend Afrikas um ihre Zukunft". Deutlich zu kurz kommt dabei, dass die Fluchtursachen vor allem in den politischen Systemen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zu finden sind.

Auch nicht überzeugend sind die Überlegungen der Autorin zur Einführung einer direkten Demokratie: Bürgerversammlungen sollen Wahlen und Parlamente ersetzen, ihre Sprecher durch Los bestimmt werden. Die zitierten "Studien" stiften mehr Verwirrung, als dass sie Informationen liefern. Geradezu verstörend wirken Sätze wie: Wahlen "destabilisieren unsere Demokratie". Gleichwohl stellt Rackete nur allzu berechtigte Fragen zu den Grenzen unserer Wachstums- und Konsumgesellschaft.

Lohnenswert zu lesen ist jedoch, wie Rackete die Entscheidung traf, ohne Genehmigung im Hafen von Lampedusa anzulegen. "Wer wie die Kapitänin ein Menschenleben rettet, steht in der Nachfolge Jesu", betonte Erzbischof Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlinge der Deutschen Bischofskonferenz. Carola Rackete selbst wollte nur Menschen aus Seenot retten: "Es ist weder ein Verbrechen noch eine Heldentat."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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