Inhalt

Gastkommentare - Contra
Kerstin Schwenn, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Mehr freiwillig

PFLICHT ZUR BETRIEBSRENTE?

Die Rente ist sicher? Das geflügelte Wort des früheren Bundessozialministers Norbert Blüm (CDU) wird heute oft ironisch verwendet. Tatsächlich ist inzwischen vor allem sicher, dass die gesetzliche Rente allein in Zukunft nicht mehr ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Seit beinahe zwei Jahrzehnten legt der Staat den Bürgern deshalb nahe, zusätzlich privat oder betrieblich vorzusorgen. Doch der Zuspruch für Riester- und Betriebsrenten hält sich in Grenzen. Dabei erscheint gerade eine betriebliche Altersversorgung durchaus attraktiv, wenn sich der Arbeitgeber an den Aufwendungen beteiligt. Doch die Betriebsrente hat besonders in kleineren Betrieben keine große Konjunktur. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz der schwarz-roten Koalition von 2018, das auf die Organisationskraft der Tarifpartner und auf Freiwilligkeit setzt, hat daran nichts geändert. Sollte man deswegen die Menschen nun zu ihrem späteren Glück zwingen?

Nein. Gerade Arbeitnehmer mit kleinen Einkommen wollen oder können sich den Luxus des Gehaltsverzichts nicht leisten, wenn die Familie im Hier und Jetzt ordentlich versorgt sein soll. Sie zahlen schon heute fast ein Zehntel ihre Lohns in die Rentenkasse. Bald wird dieser Abgabenanteil wachsen. Eine neue, ausnahmslose Pflicht zur betrieblichen Altersversorgung würde den "Rentenbeitrag" noch einmal steigern. Das ist auch ungerecht im Vergleich zu Beamten und Selbständigen, für die eine Vorsorge weiter nicht obligatorisch wäre. Ein Verzicht auf die Pflicht heißt indes nicht, dass man durch bessere Information und Förderung allen schmackhaft machen sollte, freiwillig mehr für das Alter zu sparen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag