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EDITORIAL
Jörg Biallas
Vorsorge muss sein

Die Rente hat ein Imageproblem. Ob gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge oder private Zusatzverträge: Immer weniger junge Menschen vertrauen darauf, dass das herkömmliche System nach dem Erwerbsleben ein ausreichendes Einkommen bescheren wird.

Zu verdenken ist diese Skepsis der nachwachsenden Generation nicht. Die Aussichten sind wenig rosig. Da ist der demographische Wandel, der diese Gesellschaft immer älter werden lässt. Damit wächst der staatliche Finanzbedarf für ein auskömmliches Seniorenleben. Mit dem Rentenvolumen steigen zudem die Kranken- und Pflegekosten.

Vom zu verteilenden Kuchen wird der Einzelne also eher kleinere als größere Stücke abbekommen. Hinzu kommt eine nun schon viele Jahre anhaltende Niedrigzinspolitik, die das Sparen für das Alter nach herkömmlichen Modellen alles andere als attraktiv macht.

Leider ziehen viele Berufsanfänger daraus den Schluss, dass es sich ohnehin nicht lohne, über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus Geld für das Alter zurückzulegen.

Diese Erkenntnis ist ebenso falsch wie fatal. Denn ohne zusätzliche Vorsorge droht ein Rentnerleben weit weg vom gewohnten Lebensstandard. Das ist am Ende eines Berufslebens deprimierend und einer so reichen Gesellschaft wie der unsrigen unwürdig.

Nicht jeder kann auf eine Erbschaft zählen, die ein sorgenfreies Alter ermöglicht. Aber beispielsweise gibt es die Möglichkeit, über ein klug zusammengestelltes, langfristig festgelegtes Aktienpaket Geld anzusammeln.

Auch eine - möglichst bei Renteneintritt abbezahlte - Immobilie kann Senioren finanziell entlasten. Zumal derzeit beim Haus- oder Wohnungskauf das sonst so beklagenswerte niedrige Zinsniveau für den Verbraucher von Vorteil ist.

Die klassischen Säulen der Rentenversicherung kann all das aber nicht ersetzen. Der ursprüngliche Ansatz, dass der erwerbstätige Teil der Bevölkerung die Ruheständler finanziert, funktioniert längst nicht mehr. Wer nicht selbst vorsorgt, wird im Alter finanzielle Probleme bekommen.

Deshalb ist es ein richtiger politischer Ansatz, gerade auch die betriebliche Altersvorsorge attraktiver zu gestalten. Und damit das Image der Rente für zukünftige Generationen aufzubessern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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