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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Geld allein macht nicht glücklich. Zu diesem wenig überraschenden Ergebnis kommt der Marburger Soziologe Martin Schröder am Ende seines aufschlussreichen Buches. Um seine Aussagen zu belegen, zitiert er Statistiken zur Zufriedenheit in verschiedenen Ländern. So sind Mexiko und Kolumbien zwar arm, dennoch haben sie die weltweit zufriedenste Bevölkerung noch vor Staaten wie Norwegen oder die Schweiz. Deutschland nimmt den 18. Platz ein. Zu den unzufriedensten Ländern gehören vor allem afrikanische Staaten wie Ägypten und Äthiopien.

Positiv schlägt für die reichen Länder zu Buche, dass sie ihre Bevölkerungen mit allen lebensnotwendigen Gütern versorgen können und in der Regel jeder eine Gesundheitsversorgung erhält. "Je freier und selbstbestimmter" sich die Menschen fühlten, desto zufriedener seien sie, meint Schröder. Skeptisch machen ihn Daten, nach denen Menschen in undemokratischen Staaten dennoch "recht zufrieden" seien. Während man diese Ergebnisse im superreichen Katar oder Saudi-Arabien noch nachvollziehen könne, sei ein hoher "Zufriedenheitswert" im bitterarmen Usbekistan eher fragwürdig. Neben Familie, Partnerschaft und anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird auch der politisch zufriedene Mensch statistisch erfasst. Laut Schröder haben zufriedene Menschen und konservative Parteien eines gemeinsam: "Beide wollen keine Veränderungen". Je besser es Menschen gehe, "desto mehr Sympathie bekommen sie". Für Parteien an den Rändern wie Linkspartei und AfD gelte das Gegenteil: "Je schlechter es Menschen geht, desto mehr Unterstützung fällt ihnen zu." So ganz mag diese Analyse jedoch nicht zu dem Umstand passen, dass die Hälfte der Wähler in Ostdeutschland bei Landtags- und Kommunalwahlen stabil für diese beiden Parteien stimmt, obwohl es ihnen heute deutlich besser geht als früher in der DDR.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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