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Gastkommentare - Pro
Thomas Sigmund
Sinnvoller Pass

Brauchen wir einen Immunitätsausweis?

D er Bundestag hat jüngst das zweite Bevölkerungsschutzgesetz zum ersten Mal beraten. Leider fehlte darin der wichtige Passus zum Immunitätsausweis. Der wäre einem Impfpass ähnlich gewesen und könnte ein sinnvolles Instrument sein, allmählich wieder zu einer wie immer gearteten Normalität zurückzukehren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn strich die Passage nach Protesten wieder. Er hätte standhaft bleiben sollen.

Intelligent gemacht, wäre so ein Ausweis sehr nützlich. Unter Beachtung höchster Datenschutzstandards würde ein Instrument geschaffen, dass uns leichter durch die Pandemie führt. Bestimmte Personen könnten dann an bestimmten Orten anderen Regeln folgen als Menschen, die noch nicht infiziert waren. Das gilt vor allem für den Klinik- und Pflegebereich. Da wäre es natürlich sehr gut zu wissen, wer schon eine Immunität hat.

Auch wenn es hart ist, unter Infektionsschutzgesichtspunkten brauchen wir einen Instrumentenkasten, in dem der Ausweis nur ein Instrument etwa neben der Tracing App sein kann. Klar ist: Es darf dadurch keine Zweiklassengesellschaft entstehen. Manche Argumente der Gegner des Immunitätsausweises scheinen aber an den Haaren herbeigezogen. Dass sich Massen von Menschen freiwillig mit einer Krankheit anstecken, um einen Ausweis zu bekommen, ist abwegig. Auch das Argument, dass Arbeitgeber einen Immunitätsausweis verlangen, bevor sie Jobs vergeben, gehört eher zu theoretischen Diskussionen. Im Job geht es um Qualifikation. Zudem ist es arbeitsrechtlich gar nicht erlaubt, solche Fragen zu stellen.

Der Ethikrat wird das alles in seiner Stellungnahme sicher berücksichtigen. Dann kommt auch etwas Dampf aus der ganzen Debatte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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