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Claus Peter Kosfeld
Expertenstreit über Corona-Teststrategie

Die in der Coronakrise angewendete Teststrategie wird von einigen Experten kritisch hinterfragt. Ärzte und Laborfachleute wiesen vergangene Woche anlässlich einer Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestags über einen Antrag der FDP-Fraktion (19/22114) jedoch auf die praxiserprobte nationale Teststrategie hin.

Die FDP-Fraktion fordert in ihrem Antrag eine verlässliche und praxisnahe Corona-Teststrategie. Die Abgeordneten fordern unter anderem, die nationale Teststrategie an den Prinzipien der Zielgerichtetheit und das Risikogruppenschutzes auszurichten. Die Strategie sowie die Quarantäne- und Testempfehlungen müssten je nach Infektionsdynamik angepasst werden. Mit dem Ausbau digitaler Meldewege sollten Ergebnisse schneller übermittelt werden.

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) erklärten, die nationale Teststrategie werde bereits seit Beginn der Pandemie je nach Lage angepasst und weiterentwickelt. Ein gewisses Dilemma bestehe darin, dass die nationale Teststrategie seit dem Sommer auf der Landesebene mit weiteren Testangeboten konfrontiert und konterkariert worden sei. Dies sei mit einer teilweise erheblichen Belastung und Bindung der verfügbaren Testkapazitäten verbunden und habe regional zu einer Überlastung der Labore geführt.

Nutzen begründen Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verwies auf den erprobten praktischen Nutzen der nationalen Teststrategie, die klare Hinweise gebe über die zu testenden Personen, die Art der Tests und die Prioritäten. So seien regelmäßige Tests von Personal, Bewohnern, Betreuten, Behandelnden und Besuchern medizinischer Einrichtungen vorgesehen. Die KBV erinnerte an die Bedeutung der Grippeschutzimpfung, die vor allem für Risikogruppen sinnvoll sei. Grippe (Influenza) erzeuge anders als Corona immer ein schweres Krankheitsgefühl. Eine Doppeltestung Corona/Influenza sei daher nur in speziellen Fällen sinnvoll.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erklärte, eine angemessene Teststrategie müsse immer auf einer klaren Begründung des Nutzens beruhen. So müssten Personen mit typischen Symptomen getestet werden. Zudem könne eine Testung sinnvoll sein, wenn ein vergleichsweise hohes Risiko für eine Corona-Infektion bestehe. Ferner könne ein Testanlass darin bestehen, für enge Kontaktpersonen von Infizierten durch ein negatives Testergebnis eine Isolation zu beenden.

Der Wissenschaftler und Statistikexperte Werner Bergholz attestierte dem aktuellen Testkonzept gravierende Mängel. So seien die PCR-Tests nicht standardisiert, zudem gebe es keine belastbaren Daten zur Sensitivität und Spezifität, aus denen wiederum belastbare Daten zur falsch positiven Rate abgeleitet werden könnten. Die zentralen Kennzahlen wie die Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohner und der sogenannte R-Wert, so wie er derzeit ermittelt werde, seien keine validen Messgrößen. Die Fokussierung der Risikobewertung auf Basis der PCR-Testzahlen sei nicht nachvollziehbar. Die relevanteren Messgrößen seien die Zahl der Hospitalisierten und der Verstorbenen. Bergholz plädierte dafür, das Infektionsgeschehen ausschließlich auf der Basis der Zahl der Erkrankten und Verstorbenen zu beurteilen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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