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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

"Russland, wenn Du zuhörst, hoffe ich, dass Du die fehlenden 30.000 E-Mails finden kannst." Vor vier Jahren forderte Präsidentschaftskandidat Donald Trump Moskau unverhohlen auf, ihn gegen Hillary Clinton zu unterstützen. Putin lieferte. Im aktuellen Wahlkampf eine Steilvorlage für den demokratischen Kandidaten Joe Biden: Er nennt Präsident Trump "Putins Schoßhündchen". Denn einmal im Amt, bedankte sich Trump beim Kreml, indem er den Westen zu spalten versuchte und damit Russlands Interessen bediente. Trump diskreditiert Nato und EU, zieht Truppen aus Europa ab und fördert den Brexit.

In prägnanten Analysen gelingt es dem Regensburger Historiker Stephan Bierling, den Kurs der USA unter der Präsidentschaft Trumps in der Wirtschafts-, Innen- und Sicherheitspolitik darzulegen. Auch nach vier Jahren spürt man zwischen den Zeilen die Verwunderung des Amerika-Experten, dass Trump überhaupt ins Amt gewählt wurde. Immerhin ist er der erste der bislang 45 Präsidenten, der "zuvor keine Funktion in Politik oder Militär innehatte". Der "Brandstifter" sei auch der erste, der gegen jede etablierte Regel der amerikanischen Politik verstoßen und die Nation weiter gespalten habe.

Für die deutsch-amerikanische Entfremdung macht der Historiker nicht allein Trumps "America First"-Politik verantwortlich und seine Klage, Deutschland schulde den USA "riesige Geldsummen". Beide Seiten würden "mit ihrer Fokussierung auf die Innen- und Wirtschaftspolitik und ihrer Doppelzüngigkeit das Ihre dazu beitragen, die ehemals enge Partnerschaft weiter zu sabotieren".

Schonungslos fällt auch Bierlings Urteil über Trumps desaströses Management der Corona-Pandemie aus. Die Verharmlosung des Virus und die Sabotage von Obamas Gesundheitsreform habe bis heute Tausende Amerikaner das Leben gekostet.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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