Inhalt

Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Auf die Größe kommt es an

Auf die Größe kommt es nicht an. Oder doch? Fakt ist: Überall wird gemessen, was das Maßband hergibt. Manchmal heimlich, dann wieder ganz offiziell. Schon Kinder sind von Klein an dieser Mess-Manie ausgesetzt, wenn Mama und Papa das Wachstum ihrer Sprösslinge Jahr für Jahr am Türrahmen verewigen. Und eine der gängigsten Thesen der modernen Küchenpsychologie verrät uns die Zusammenhänge zwischen der Länge von Krawatten, dem Ego von Männern und der Größe ihres Penis. Wer es nicht glauben mag, der sollte einfach mal nach "Donald Trump" und "Stormy Daniels" googeln. Doch ganz egal, was Trump unter "great again" versteht, im Vergleich zu den 884.886 Zentimetern, die es in der vergangenen Woche in die Nachrichten geschafft haben, sind es eh nur Peanuts.

Forscher aus China und Nepal haben den ohnehin schon größten Berg der Erde neu vermessen und festgestellt: Der Mount Everest bringt es nicht nur auf 8.848 Meter, sondern auf 86 Zentimeter mehr. Mal abgesehen davon, dass nach dieser Meldung das Ego so manchen Everest-Bezwingers ebenfalls komplett neu vermessen werden muss, sind vor allem die politischen Implikationen interessant. Im Zeichen "ewiger Freundschaft" haben Nepal und China laut eigenem Bekunden die Vermessung des Himalaya-Riesen an ihrer gemeinsamen Grenze durchgeführt. Und diese ewige Freundschaft lässt sich ebenfalls bemessen: So bekommt das bitterarme Nepal Infrastrukturhilfen von China gezahlt. Im Gegenzug erkennt es Taiwan und Tibet als Teile der Volksrepublik an. Auf die Größe kommt es eben doch an. Zumindest im Bereich von 884.886 Zentimetern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag