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Aschot Manutscharjan

Mit seinem Buch "Wer regiert die Welt" wurde der britische Historiker, Anthropologe und Archäologe Ian Morris international bekannt. In seinem neuen Buch geht er der Frage nach, wie das Materielle die Kultur und die Wertvorstellungen der Menschen von Anbeginn an prägten. Morris teilt die Menschheitsgeschichte in drei große Epochen ein - die der Wildbeuterei, der Landwirtschaft und der fossilen Energieträger. Schon vor 100.000 Jahren hätten die Menschen die heute gültigen Werte und Normen wie Gerechtigkeit, Fairness, Liebe und Hass, Selbstschutz und gemeinsame Heiligtümer geteilt. Gleichwohl spiele die Energiegewinnung die wichtigste Rolle: Denn sie bestimmt laut Morris das Zusammenleben in Gesellschaften. Die Menschen würden "ihre Werte an das sich verändernde gesellschaftliche Umfeld anpassen, um ihre Wirksamkeit zu maximieren".

Zusammengefasst klingen die Aussagen des Autors wie eine Art Vulgär-Marxismus, der die Beziehung zu den "Energiequellen" als Hauptmotor für die materialistische Entwicklung der Geschichte ansieht. Mit den heutigen "Fossiliengesellschaften", die im 18. Jahrhundert aufgrund der geografischen Bedingungen in Nordeuropa entstanden seien, sei eine kulturelle Evolution einhergegangen. Anders gesagt: Die Nutzung der fossilen Energien führte zu einer Werterevolution. So benennt Morris die freiheitlichen und individualistischen Werte des Westens denn auch als "Fossilienenergiewerte". Allerdings habe die fossile Energie eine feste "Obergrenze".

Zu den ewigen Bedrohungen der menschlichen Zivilisation zählt der Autor vor allem fünf Faktoren: Unkontrollierte Migration, Staatsversagen, Nahrungsmittelknappheit, Epidemien und Klimawandel. Ian Morris' Buch über das menschliche Wertesysteme im fossilen Zeitalter stellt einen wichtigen Beitrag eines Historikers zur aktuellen Klimadebatte dar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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