Inhalt

Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

US-Präsident Donald Trump benutzt gerne den derben Begriff "Bullshit", um Diskussionen abzuwürgen: Dieses Mal hatte ihn der US-Senat von allen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs freigesprochen und damit das Amtsenthebungsverfahren der Demokraten beendet. Was "Bullshit" heutzutage im amerikanischen politischen Kontext bedeutet und warum Trump den Begriff so oft benutzt, legt der Wirtschaftsjournalist und "Spiegel"-Kolumnist Henrik Müller dar.

Das Weiße Haus unter Trump charakterisiert Müller als einen "Sieg der Fiktion über die Realität". Der Ex-Showstar spiele in seiner neuen Rolle als Präsident die Serie "House of Cards" in einer Trash-Version nach. Wenn ein Thema sein Publikum zu langweilen drohe, wechsle Trump einfach zum nächsten - unabhängig davon, ob das Problem gelöst ist oder nicht. Zur Not werde ein neues Problem erfunden. Das Publikum könne nicht mehr unterscheiden, wo die Wahrheit aufhört und die Lüge beginnt.

Zu den Stärken des Buches gehört, dass Müller seine Thesen über die grassierenden "Empörungsspiralen" mit zahlreichen Beispielen aus der aktuellen Politik belegen kann. Seinen Journalisten-Kollegen empfiehlt Müller, die lauten Politiker möglichst zu ignorieren und "sich davor zu hüten, die Lärmspirale weiter anzutreiben". Ein Rat, der gut zur aktuellen Situation in Deutschland passt.

Allerdings vermag Müller nicht zu überzeugen, wenn er schreibt, Trump habe "nur unter den Bedingungen des Turbodemokratismus" Präsident werden können. An anderer Stelle widerspricht er sich selbst: Einerseits fordert er die Stärkung direkter Mitwirkungsrechte durch Volksentscheide. Andererseits bemerkt er, dass gerade das "Brexit-Referendum Großbritannien in eine existenzielle Krise gestürzt" habe. Was ausgerechnet der durch einen Volksentscheid herbeigeführte Brexit mit der von ihm beklagten "Repräsentationskrise" zu tun hat, bleibt unklar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag