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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Don't talk about sex, baby

Das Ypsilon führt ein alphabetisches Schattendasein in der deutschen Sprache. Im Vergleich zu den zur Verfügung stehenden Buchstaben taucht das "Y" nämlich nur in 0,04 Prozent aller Fälle auf - und dann fast ausschließlich in Fremdworten, Eigennamen oder auf den Autokennzeichen der Bundeswehr. Schlechter schneiden nur noch "X" und "Q" ab. Kein Wunder, dass beim "Glücksrad" nie ein "Y" gekauft wurde.

Doch diese Missachtung könnte bald ein Ende finden. In der experimentierfreudigen Welt der geschlechtergerechten Sprache kursiert einer neuer Vorschlag, der die epische Diskussion um generisches Maskulinum, Binnen-I oder Gender-Sternchen ein für allemal beenden könnte. Und das geht so: Bei Personenbezeichnungen wird an den Wortstamm ein "y" angehängt und dieses Substantiv dann mit dem Neutrum-Artikel "das" versehen. Bei mehreren Personen wird einfach noch ein Plural-S angehängt.

Liebe Lesys, das mag jetzt ein wenig nach Tinky-Winky und Dipsy von den Teletubbis oder pseudo-schweizerischem Heidi-Deutsch klingen. Aber den Vorschlag hat immerhin ein gestandenes Germanisty namens Thomas Kronschläger von der TU Braunschweig gemacht, Seine Y-Lösung ist eigentlich schon 30 Jahre alt und geht zurück auf das österreichische Aktionskünstly Hermes Phettberg. Und sie lässt sich auch deutlich einfacher aussprechen als der X-Vorschlag von Professx Lann Hornscheidt von der Humboldt-Uni Berlin. Aber egal ob "X", "Y" oder demnächst "Q": Hauptsache alle Menschen fühlen sich angesprochen und ihr Geschlecht lässt sich nicht mehr erkennen. "Entgendern" nennt sich das. Adieu Sexus! Don't talk about sex, baby!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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