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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Zu den vielgelobten politischen Büchern des Jahres 2020 gehört die Streitschrift der französischen Journalistin und Filmemacherin Caroline Fourest. Die bekannte Feministin schreibt für "Charlie Hebdo" und unterrichtet am Sciences Po in Paris. Im Sinne einer traditionell universalistischen Haltung will sie unser Demokratiemodell gegen linke sektiererische Identitäre verteidigen.

Die Identitären seien keine "neuen Antirassisten", sondern "die neuen Rassisten". So verwandle die Identitätspolitik der Linken "Antirassisten in Kultur-Taliban". Die Publizistin protestiert gegen die Stilisierung des Schleiers zu einem Symbol der muslimischen Kultur, schließlich kämen zahlreiche Muslima auch gut ohne ihn aus. Nachdrücklich verweist sie auf die Algerierinnen, die dafür gekämpft hätten, ihn nicht tragen zu müssen; die Iranerinnen würden dies noch heute tun, "obwohl man sie dafür einsperrt oder foltert".

Fourest identifiziert neue Gefahrenherde für unsere Demokratie: Verantwortlich dafür sei die an den französischen und US-amerikanischen Universitäten vorherrschende Stimmung der "Mikroaggression". Überzeugend erklärt die Autorin, warum die linke identitäre Bewegung in den USA zur Niederlage der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2016 beigetragen habe: Sie habe Trump geholfen, sich als Verteidiger der Freiheit und der Rechte aller Amerikaner zu stilisieren.

Das Buch, verfasst von einer für die universellen Menschenrechte kämpfenden Publizistin, ist als Warnung auch an uns Deutsche zu lesen: Tappt nicht in die Falle der Identitätspolitik! Denkende Individuen sollten sich nicht der "Massenhysterie" der Internetaktivisten beugen, die Kampagnen gegen "kulturelle Aneignung" organisierten und willkürlich Opfer proklamierten. Das Buch ist ein Muss für jeden politisch interessierten Menschen und bietet argumentatives Rüstzeug.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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