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Parlamentarisches Profil
Jan Rübel
Der Haushälter: Carsten Körber

Wenn er über diesen "historischen Rekord" spricht, freut sich Carsten Körber nicht. Noch nie dagewesen sei diese "bittere Situation", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Zwickau am Telefon, der Nachtragshaushalt, über den der Bundestag in erster Lesung verhandelt. "Nichts ist alternativlos", sagt er über die geplante Neuverschuldung des Bundes, "es ist aber ein notwendiger Weg", er verweist auf die wegen der Corona-Pandemie zu leistenden Unternehmenshilfen und die gestiegenen Gesundheitskosten: Der Bundesfinanzminister will die Nettokreditaufnahme in diesem Jahr von 179,8 Milliarden Euro um weitere 60,4 Milliarden Euro auf 240,2 Milliarden Euro erhöhen. Der Bundesrechnungshof spricht von einem Haushalt auf tönernen Füßen. Und Körber? "Die hat dieser Etat noch nicht. Nur engt er den Gestaltungsspielraum in der Zukunft ein, immerhin müssen wir ab 2026 jedes Jahr 18 Milliarden Euro tilgen."

Körber vertritt seinen Wahlkreis seit 2013 im Bundestag, sitzt seitdem im Haushaltsausschuss und steht seit Ende März dem Rechnungsprüfungsausschuss vor, welcher die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes beaufsichtigt. "Da haben wir uns in den kommenden Jahren tiefgreifenden Fragen zu stellen", sagt er, "bei der Ausgabenseite muss man ran, eine Bestandsaufnahme machen. Man wird über alles nachdenken müssen."

Politisches Engagement begleitete ihn sein Leben lang. Klassensprecher in der ersten Klasse, später Kreisschülersprecher. Bei der Bundeswehr Vertrauensmann, an der Uni neben dem Studium von Politologie und Betriebswirtschaftslehre engagiert beim Ring Christlich-Demokratischer Studierender (RCDS).

Vielleicht lässt sich dieser Werdegang auf eine Szene im November 1989 zurückführen, damals war er zehn und schaute mit seiner Familie im Wohnzimmer auf den Fernseher, auf Bilder der Massendemo am Berliner Alexanderplatz gegen das SED-Regime. Sah, wie seine Großeltern zu weinen begannen, der Opa runter in den Keller ging, wo er die eine, seit Jahren lagernde Flasche Krimsekt hervorholte. "Die lagen sich alle in den Armen, das machte etwas mit mir." Vielleicht waren es aber auch die Geschichten seines Großvaters davor, der als Direktor in einem Elektromotorenwerk in den Westen fuhr und die angeblichen Meldungen über den "Klassenfeind" nicht bestätigt sah. "Eine 'Karriere' als Berufspolitiker habe ich nie geplant", sagt Körber, "das ist ein roter Faden, der konstruiert wird, aber nicht stimmt". Es habe sich halt alles immer gefügt. Und dass er immer das habe machen können, was ihm Spaß bereitete. "Mein Amt ist auf Zeit. Alle vier Jahre werden die Karten neu gemischt." Auf dem Weg dorthin saß er im Gemeinderat, war Vize-Bürgermeister der 12.000-Einwohner-Gemeinde Mülsen, machte ein Praktikum beim Zwickauer Bundestagsabgeordneten, wurde sein Büroleiter - und dann sein Nachfolger. Und warum die CDU? "Ich komme aus einem bürgerlich geprägten Elternhaus mit starkem Verantwortungsdenken, da kam keine andere Partei in Frage."

Was den Sachsen umtreibt, sind nicht nur Zahlen. Auch das gesellschaftliche Miteinander, der gegenseitige Respekt voreinander und vor der parlamentarischen Demokratie sind seine Fragen, und rasch kommt er auf das Jahr 2015 zu sprechen, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. "Da kamen dumpfste Vorurteile hoch", sagt er und stockt. "Schwer in Worte zu fassen." Und: "Da war oft kein sachlicher Diskurs, sondern blanker Hass." Dabei, fügt er hinzu, hätten sich doch nun, fünfeinhalb Jahre später, die Bedenken wegen der Einwanderungen damals "weitgehend aufgelöst".

Nicht verschwunden sind seine Sorgen wegen des Nachtragshaushalts. Die Pläne des Regierungspartners SPD, mit Steuern für Hochvermögende gegenzufinanzieren, sieht er skeptisch. "Ein normaler, eben eher kleiner Mittelständler, der schon viel belastet wird und viel gibt, ist mit seinem Anlage- und Produktionsvermögen schnell 'hochvermögend'." Das Konzept der SPD sei nicht schlüssig. Respektlos klingt das nicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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