Inhalt

Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Wer war Ayatollah Khomeini, bekannt als "Mullah aller Mullahs"? Welche Bedeutung haben seine Politik und seine Lehren für den Iran noch heute? Antworten gibt die bekannte Iranistin Katajun Amirpur in einer empfehlenswerten, wenn auch eher unkritischen Biographie. Die Wissenschaftlerin begnügt sich nicht damit, die Lebensgeschichte des islamischen Revolutionsführers nachzuerzählen; vielmehr setzt sie seine Politik in Beziehung zu den politischen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten. Dieser Ansatz hilft dem Leser, die aktuellen Ereignisse besser zu verstehen, insbesondere mit Blick auf den iranisch-israelischen Konflikt. Amirpur betont, dass dieser Konflikt nicht religiös motiviert sei. Juden gehörten genauso wie Zoroastrier oder Christen zu den offiziell anerkannten religiösen Minderheiten und damit zu den "Schutzbefohlenen" im Land. Noch während des ersten Golfkrieges hatte Israel den post-revolutionären Iran mit Waffen gegen den Irak beliefert. "Iran und Israel wurden erst zu Gegnern, nachdem Saddam Hussein kaltgestellt und die Sowjetunion als potenzieller Sponsor der arabischen Staaten weggefallen war." Zurecht vertritt Amirpur die These, dass die Feindschaft beider Länder auf geostrategische Rivalitäten zurückzuführen sei.

Lesenswert sind insbesondere die Passagen über die Ausschaltung des Schahs und die anschließende Machtergreifung. Khomeini gelang es, die Kommunisten und die bürgerlichen Gruppierungen aus der Regierung zu verdrängen. Schritt für Schritt setzte er die demokratischen Rechte und Freiheiten mit Hilfe des Korans außer Kraft, um eine Islamische Republik zu gründen. Die Ideen Khomeinis prägen den schiitischen Iran bis heute. Mit ihrem ausgezeichneten Hintergrundwissen analysiert Amirpur auch Khomeinis Frauenbild: Während er vorgeblich eine aktive Rolle der Frauen in Familie und Gesellschaft unterstützte, war er tatsächlich gegen ihre Gleichberechtigung. Dazu passte seine Forderung, dass sich die Frauen gemäß dem Koran verhüllen mussten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag