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Vor 20 Jahren...
Benjamin Stahl
Reaktion auf 9/11

12.9.2001: Nato vor erstem Verteidigungsfall. Auch zwanzig Jahre danach wissen viele noch ganz genau, was sie am 11. September 2001 gemacht haben. Der Tag, an dem die von Islamisten gesteuerten Flugzeuge ins World Trade Center und das Pentagon krachten, war nicht nur ein trauriger, er war auch historischer Tag: eine Zäsur in der globalen Sicherheitspolitik. Entsprechend fielen die Reaktionen aus, zum Beispiel bei der Nato. Bereits am 12. September betrachtete sie die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten von Amerika als Angriff auf das gesamte Bündnis - sofern sie im Ausland eingeleitet worden waren. Es wäre der erste kollektive Verteidigungsfall seit Bestehen des Militärbündnisses.

Am 2. Oktober erklärte die Nato offiziell den Bündnisfall. "Alle Spuren weisen auf El Kaida", erklärte Nato-Generalsekretär George Robertson. Das Terrornetzwerk wurde damals von Osama bin Laden von Afghanistan aus geleitet. Damit sei erwiesen, dass die Anschläge von außen gesteuert wurden, so Robertson. "Artikel fünf ist jetzt voll in Kraft." Dieser verpflichtet alle Nato-Staaten zum Beistand für ein angegriffenes Land. Deutschland hatte den Vereinigten Staaten schon kurz nach den Anschlägen seine Unterstützung zugesagt, jedoch noch nicht erklärt, wie diese aussehen wird. "Über Inhalt und Ausmaß eines möglichen deutschen Beistandsbeitrags" werde man noch zu entscheiden haben, erklärte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) ergänzte: "Wir stehen nicht vor einem Krieg, wir stehen vor der Frage, was ist eine angemessene Antwort."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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