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Gastkommentare - Contra
Richard Herzinger
Kein Lohn dem Terror

TALIBAN DIPLOMATISCH ANERKENNEN?

M it der diplomatischen Anerkennung der Taliban würde eine totalitäre islamistische Terrorherrschaft aufgewertet und international salonfähig gemacht. Dass derartiges überhaupt in Erwägung gezogen wird, zeigt, in welche Falle sich der Westen mit seinem kopflosen, fluchtartigen Rückzug aus Afghanistan manövriert hat.

Denn nicht nur hat er das Land den Taliban ausgeliefert - er ist nun auch von ihrem Wohlwollen abhängig. Die Evakuierungsaktion am Kabuler Flughafen wäre ohne deren Duldung nicht möglich gewesen. Und um wenigsten einen Teil der zurückgelassenen örtlichen Helfer aus Afghanistan herausholen zu können, versuchen die westlichen Regierungen die islamistische Mörder- und Drogenhändlerbande weiter gnädig zu stimmen.

Große Teile der westlichen Öffentlichkeit malen sich diese Schande schön, indem sie von einer möglichen "Mäßigung" der Taliban fabulieren und sich einreden, diese seien im Gegensatz zum IS nur an der Herrschaft über Afghanistan interessiert, nicht aber am Terrorexport nach Westen. Doch an der Zusammensetzung ihrer "Übergangsregierung" zeigt sich, dass die Taliban ganz die alten sind. Und mit ihrer Machtergreifung kehrt ihr enger Verbündeter, Al-Qaida, nach Afghanistan zurück. In welcher Spielart auch immer der Islamismus auftritt - globaler Terror ist sein Lebenselixier.

Der Triumph der Taliban stellt eine exemplarische Demütigung der freien Welt dar - und befeuert so die Aggressionslust nicht nur der Islamisten weltweit, sondern aller autoritären und totalitären Feinde des Westens. Sie dafür auch noch mit diplomatischen Weihen zu belohnen wäre ein neuer Tiefpunkt westlicher Selbsterniedrigung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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