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Gastkommentare - Contra
Daniel Goffart
Kleiner, aber stabil

Ende Der Volksparteien?

D as Ende der Volksparteien ist schon oft beschworen worden. Nach dem Spendenskandal und Helmut Kohls Rückzug wurde der CDU lange die Totenglocke geläutet. Und auch die SPD galt noch vor wenigen Wochen mit Umfragewerten von 15 Prozent als Fall für den politischen Friedhof. Wie wir wissen, kam es anders - die Union hat in den letzten 16 Jahren ununterbrochen regiert und die Sozialdemokraten sind bei der Bundestagswahl wie Phoenix aus der Asche gestiegen.

Natürlich sind die Volksparteien kleiner geworden - in einem System mit sieben, acht oder mehr Parteien in den Parlamenten kann es gar nicht anders sein. Aber Deutschland ist ein Land mit einer starken und stabilen politischen Mitte - daran ändert auch die AfD und ihr sektoraler Erfolg in einigen östlichen Landesteilen nichts.

Mitte bleibt Mitte - auch wenn die Parteienpräferenz dieser politischen Mehrheit schwankt. Bislang hat sie sich in unterschiedlich langen Pendelschlägen mal zur SPD und dann wieder zur Union hinbewegt. Aber sie pendelt immer im Spektrum der Mitte - und damit innerhalb der beiden Volksparteien. Es mag sein, dass sich die Grünen angesichts des Klimawandels zur dritten Volkspartei entwickeln, aber dieser Weg ist noch lang. Verlieren SPD und Union ihren Status, wenn die Grünen zulegen und in die Liga der "Großen" aufsteigen? Eher nicht, denn es werden andere Parteien verschwinden - die Linken sind ihrem parlamentarischen Aus nur um Haaresbreite entkommen.

Ja, die Volksparteien werden kleiner. So lange sie aber die Mehrheit der politischen Mitte binden und repräsentieren, ist ihr viel beschworenes Ende nicht in Sicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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