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Helmut Stoltenberg
ALTERSPRÄSIDENTEN

Paul Löbe (SPD)

Dass der 1875 geborene Sozialdemokrat 1949 den Bundestag eröffnete, war nach der NS-Diktatur ein Zeichen demokratischer Kontinuität: Löbe war von 1920 bis 1932 fast durchgehend Präsident des Reichstages gewesen.

Marie-Elisabeth Lüders (FDP)

Mit Lüders, Jahrgang 1878, übernahm 1953 und 1957 die bislang einzige Frau die Eröffnung eines neuen Bundestages. Beide Male verzichtete der älteste Abgeordnete, der damalige Regierungschef Konrad Adenauer (CDU), geboren 1876.

Robert Pferdmenges (CDU)

Da Bundeskanzler Adenauer auch 1961 auf die Eröffnung der konstituierenden Sitzung verzichtete, fungierte sein gut vier Jahre jüngerer Parteifreund Robert Pferdmenges als Alterspräsident.

Konrad Adenauer (CDU)

Nunmehr ohne Regierungsamt, übernahm Adenauer 1965 die Funktion des Alterspräsidenten, auf die er zuvor dreimal verzichtet hatte.

William Borm (FDP)

Borm, Jahrgang 1895, eröffnete 1969 als zweites FDP-Mitglied nach Lüders die erste Sitzung eines neu gewählten Bundestages.

Ludwig Erhard (CDU)

Als zweiter Ex-Kanzler nach Adenauer fungierte der 1897 geborene Erhard sowohl 1972 als auch 1976 als Alterspräsident.

Herbert Wehner (SPD)

Mehr als 30 Jahre nach Löbe war 1980 mit dem langjährigen SPD-Fraktionschef, 1906 geboren, wieder ein Sozialdemokrat Alterspräsident.

Willy Brandt (SPD)

Dreimal - 1983, 1987 und 1990 - eröffnete der frühere Bundeskanzler, Jahrgang 1913, einen neuen Bundestag. Brandts wenig älterer Parteifreund Egon Franke hatte 1983 darauf verzichtet.

Stefan Heym (PDS)

Der 1913 geborene Heym war 1994 als erster ehemaliger DDR-Bürger Alterspräsident des Bundestages. Der parteilose Schriftsteller gehörte zur PDS-Gruppe.

Fred Gebhardt (PDS)

Das frühere SPD-Mitglied, 1928 geboren und 1998 Alterspräsident, war wie zuvor Heym als Parteiloser über die offene Liste der PDS ins Parlament eingezogen.

Otto Schily (SPD)

Einst von den Grünen zur SPD gewechselt, war er 2002 als erster amtierender Minister zugleich Alterspräsident. Auch 2005 kam Schily, Jahrgang 1932, die Eröffnung der konstituierenden Sitzung zu.

Heinz Riesenhuber (CDU)

Von dem 1935 geborenen Alterspräsidenten von 2009 sowie 2013 wurde diese Funktion letztmalig aufgrund seines Alters statt der Dauer seiner Parlamentszugehörigkeit wahrgenommen.

Hermann Otto Solms (FDP)

2012 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur zum Bundestag und schied 2013 aus dem Parlament aus - wie seine Partei, aber planmäßig. Vier Jahre später eröffnete er 2017 die erste Sitzung des 19. Bundestages als der Abgeordnete mit der zweitlängsten Parlamentszugehörigkeit - nach Wolfgang Schäuble (CDU), der sich dann der Wahl zum Bundestagspräsidenten stellte.

Wolfgang Schäuble (CDU)

Bei einem anderen Wahlausgang hätte dem scheidenden Bundestagspräsidenten wohl niemand eine zweite Amtszeit streitig gemacht, doch fällt das Amt traditionsgemäß der größten Fraktion zu, 2021 also der SPD. Die Würde des Alterspräsidenten kommt ihm als dienstältestem Abgeordneten zu, der dem Bundestag seit 49 Jahren ununterbrochen angehört. Älter als der 79-Jährige sind im neuen Bundestag nur die beiden AfD-Abgeordneten Alexander Gaulaud (80) und Albrecht Glaser (79).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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