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Bärbel Bas
Sören Christian Reimer
Die Präsidentin

Die Sozialdemokratin setzt auf Transparenz

Wer sich auf der Webseite der neuen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas umsieht, erfährt viel Privates über die Sozialdemokratin aus Duisburg. Von ihrer Begeisterung für Fußball zum Beispiel: In jungen Jahren spielte sie selbst als Linksaußen und Libero, heute drückt sie den Frauen des MSV Duisburg die Daumen. Stadiontauglich ist auch eines ihrer Leibgerichte: Currywurst mit Pommes und Mayo, dazu passend hält sie der Duisburger Brauereikunst die Treue und schwört aufs Köpi. Auch abseits diverser Top-5-Listen gibt Bas viel von sich preis. Wer will, kann sich ihre Steuerbescheide der vergangenen Jahre herunterladen, sich über ihre mandatsbezogenen Einnahmen und Ausgaben informieren und nachvollziehen, welche Gespräche mit Lobbyisten sie geführt hat. Es überrascht daher nicht, dass Transparenz eines der Themen ist, die Bas nun als Bundestagspräsidentin angehen will, wie sie im Interview mit dieser Zeitung ankündigte.

Bas war vor ihrer Nominierung vor allem Menschen in der Berliner Politikblase ein Begriff und weniger in der breiten Öffentlichkeit präsent. Ihr Weg zum Amt war gesäumt von einer Diskussion innerhalb und außerhalb der SPD über die Repräsentanz von Frauen in hohen Staatsämtern. Sie habe nicht selbst den Finger gehoben, sagte Bas vergangene Woche in ihrer Antrittsrede. "aber im richtigen Moment ja gesagt". Nach Annemarie Renger und Rita Süssmuth ist sie nun die dritte Frau im Amt.

Die 53-Jährige sei "eine Sozialdemokratin mit einer großen Biografie", würdigte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich die von ihm vorgeschlagene Abgeordnete. Achim Post, Vorsitzender der NRW-Landesgruppe, lobte Bas als "eine über Fraktionsgrenzen hinweg hochangesehene Parlamentarierin". Mit ihrer Persönlichkeit und parlamentarischen Erfahrung bringe sie Voraussetzungen mit, "um dieses so wichtige Amt im Sinne eines starken und bürgernahen Parlamentarismus auszuüben". Der Anspruch, Politik an Bürgerinnen und Bürger heranzutragen und verständlicher zu machen, durchzog Bas' Antrittsrede (siehe Seite 1). Es ist auch ihr politisches Motto. "Politik, die Du sagt", heißt es auf ihrer Webseite.

Geboren wurde Bärbel Bas am 3. Mai 1968 in Walsum, heute ein Stadtbezirk von Duisburg. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf. In der Familie gab es drei Mädchen und drei Jungs. "Meine Eltern haben auf Parität geachtet", schreibt Bas, die seit vergangenem Jahr verwitwet ist. 1984 schloss sie die Hauptschule in Voerde mit der Fachoberschulreife ab, lernte zunächst für ein Jahr an einer höheren Berufsfachschule für Technik Schweißen und - nach eigenem Bekunden - "perfekt einen U-Stahl" zu feilen. Dann wechselte sie von der Werkstatt ins Büro. Nach einer Ausbildung zur Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) bildete sich bis zur Personalmanagement-Ökonomin fort. 2007 wurde Bas Abteilungsleiterin bei der einstigen Betriebskrankenkasse der DVG, der heutigen BKK futur.

Ihr politischer Werdegang hängt eng mit ihrem beruflichen zusammen. Seit ihrer Ausbildungszeit engagierte sich Bas im Betriebsrat, fand so zur sozialdemokratischen Betriebsgruppe und trat 1988 der SPD bei. Es folgten Stationen bei den Jusos sowie in lokalen und regionalen Parteivorständen. Mehrere Jahre lang saß Bas zudem im Rat von Duisburg.

Ihren Bundestagswahlkreis Duisburg I, seit den 1960ern eine SPD-Hochburg, gewann Bas seit 2009 viermal direkt. Im Bundestag machte sie als Gesundheitspolitikerin von sich reden. Sie hat als überzeugende Rednerin in vielen großen Gesundheitsdebatten die Position der SPD und der Koalition mit vertreten. In Debatten war sie es oft, die einen kritischen Punkt noch einmal klargestellt hat. So hat Bas immer deutlich gemacht, dass sie selbst und die SPD eine Bürgerversicherung anstreben, dies aber in der Koalition mit der Union nicht durchsetzbar ist.

Bas weiß, wie der Bundestag tickt. In der Fraktion übernahm sie von 2013 und 2019 das Amt der Parlamentarischen Geschäftsführerin. 2019 rückte die Duisburgerin, die der Parlamentarischen Linken angehört, als Vize in den Fraktionsvorstand auf mit Zuständigkeit für die Themen Gesundheit, Bildung und Forschung. Nun folgte der große Schritt: an die Spitze des Deutschen Bundestages.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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