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Aufgekehrt
Johanna Metz
Noch immer jot jejange

Et hätt noch immer jot jejange, wird schon schiefgehen! So oder so ähnlich werden die Kölner Jecken gedacht haben, als sie vergangenen Donnerstag pünktlich um 11.11 Uhr in die Karnevalssaison schwoften. Mit Schminke, (Schwestern-)Kostüm und 2G schunkelten Tausende Feierlustige in die fünfte Jahreszeit - Viva Colonia! Dass der designierte Karnevalsprinz gleich in Quarantäne musste, weil er, obwohl doppelt geimpft und glücklicherweise frei von Symptomen, positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sorgte kurz für Irritationen. Aber et kütt wie et kütt, dann erstmal ohne Prinz und Dreigestirn, Corona setzt dem Ganzen schon die Krone auf. Der Sänger einer Kölschrock-Band gab den Jecken immerhin einen guten Rat: "Vielleicht dieses Jahr nur den Partner knutschen! Sonst kommen wir nicht durch die Session." Wat wellste maache: Mag die vierte Corona-Welle auch die Intensivstationen fluten, vielleicht rettet der Karneval mit Abstandsgebot wenigstens die ein oder andere Ehe vor der Notaufnahme.

Mancher Beobachter rieb sich angesichts des närrischen Treibens bei einer Inzidenz von 212 in der Domstadt trotzdem verwundert die Augen: Wat soll dä Quatsch? Party mitten in der Pandemie?! Ajohh! Das weiß in diesem Jahr niemand so sicher wie die Mainzer Karnevalisten. Die konnten besonders ausgelassen Fassenacht feiern, hat doch der ortsansässige und äußerst profitable Impfstoffhersteller Biontech ihnen einen fetten Überschuss von 1,09 Milliarden Euro ins Stadtsäckel gespült und damit alle Schulden weggespritzt. Also, worauf warten: Olé, Olé Fiesta Meenzer Bube, Meenzer Mädcher und Helau! Do hänn mer all druff gwad!Johanna Metz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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