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Vor 45 Jahren...
Benjamin Stahl
Der Geist von Kreuth

19.11.1976: CSU kündigt Fraktionsgemeinschaft mit CDU auf. Sie streiten sich, sie vertragen sich. Das war schon immer so zwischen CDU und CSU. So gab es in Krisenzeiten immer wieder Überlegungen, einen bayerischen CDU-Landesverband zu gründen - oder die Idee einer Expansion der kleineren Schwesterpartei auf das ganze Bundesgebiet. Letztlich hat man sich immer wieder zusammengerauft. Auch 1976, als der unionsinterne Streit einen historischen Höhepunkt erreichte: Am 19. November beschlossen die CSU-Abgeordneten in einer zwölfstündigen Sitzung in Wildbad Kreuth die Auflösung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU.

Dem Beschluss ging zwar eine erfolgreiche Bundestagswahl voraus, aus der die Union als stärkste Kraft hervorgegangen war. Allerdings konnte die sozialliberale Koalition mit knapper Mehrheit ihre Zusammenarbeit fortsetzen. In der Union kam es zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. CSU-Chef Franz Josef Strauß machte Kanzlerkandidat Helmut Kohl (CDU) für das Scheitern eines Regierungswechsels verantwortlich. Strauß gefiel der Gedanke einer CSU als vierter, eigenständiger Partei. Kritiker aus CDU und CSU befürchteten die Rückkehr Weimarer Verhältnisse. Die CDU reagierte kühl auf den Kreuther Trennungsbeschluss und drohte mit der Gründung eines bayerischen Landesverbands. Kohl soll sich sogar nach Büroräumen in München umgesehen haben. Das wirkte: Am 9. Dezember bot die CSU die Rückkehr in die Fraktionsgemeinschaft an. Was blieb ist der "Geist von Kreuth" - das Verständnis einer eigenständigen, selbstbewussten CSU.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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