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PHOTOVOLTAIK
Sören Christian Reimer
Solarbranche wächst langsam wieder

Die Talsohle scheint durchschritten. Der Ausbau zieht an, Ärger gibt es um den »atmenden Deckel«

Während der Ausbau bei der Windkraft stockt, konnte die Solarenergiebranche in den vergangenen beiden Jahren kräftige Zuwachszahlen präsentieren: 2020 betrug laut Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) die installierte Leistung von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland 53.848 Megawatt. Gegenüber 2015, als die PV-Leistung bei 39.224 Megawatt lag, ist das ein Anstieg von 37 Prozent. Allein 2019 und 2020 kamen Anlagen mit 3.889 Megawatt beziehungsweise 4.801 Megawatt hinzu.

Als Zielwert für 2030 gibt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 100 Gigawatt vor. Die von der scheidenden Bundesregierung beschlossene Zielmarke für den Ausbau reicht der Branche aber nicht. Aus Sicht des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft sollten es jedoch 150 Gigawatt sein, um die Klimaziele zu erreichen.

Mehr Sonnenschein Die Menge des produzierten Stroms wächst ebenfalls: 50,6 Terawattstunden lieferten PV-Anlagen im vergangenen Jahr, auch weil die Witterung sehr sonnig war, wie das UBA ausführt. Gegenüber 2019 ist das ein Zuwachs von neun Prozent, gegenüber 2015 um 31 Prozent.

Für dieses Jahr rechnet die Branche mit einem kräftigen Zuwachs: Das Institut für Regenerative Energiewirtschaft meldete eine neu installierte PV-Leistung von mehr als 4.300 Megawatt von Januar bis September, bis Ende des Jahres könnten es zwischen 5.700 und 5.900 Megawatt werden.

Der positive Trend zeigt sich auch in der Solarwirtschaft: Nach einem fast beispiellosen Einbruch der Branche geht es nun langsam wieder aufwärts. Machte die deutschen PV-Unternehmen 2011 noch rund 13,3 Milliarden Euro Umsatz, sank der Wert bis 2017 aufgrund zahlreicher Schließungen auf 2,3 Milliarden Euro. Für 2019 wurden immerhin wieder 3,2 Milliarden Euro gemeldet. Die Zahl der Beschäftigten betrug - nach einem Höchststand mit rund 157.000 im Jahr 2011 - 2019 rund 52.000. Hintergrund des Zusammenbruchs waren zum einen aufkommende Konkurrenz aus China, wo inzwischen sechs der zehn größten Hersteller produzieren. Zum anderen sorgten Änderungen in der Förderung für den Einbruch beim Ausbau.

Deckel bremst Für Ärger in einem Segment des Marktes, Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, sorgt aktuell der sogenannte atmende Deckel bei der Einspeisevergütung. Heißt: Je mehr zugebaut wird, desto geringer fällt die Vergütung aus. Bei stagnierenden oder gar steigenden Preisen für die Module droht der Anlagenbau an mangelnder Rentabilität zu scheitern, kritisiert die Branche. Hinzu kommt, dass in der Branche die Fachkräfte knapp sind.

Die mögliche Ampel-Koalition setzt indes auf Dächer. Laut Sondierungspapier sollen alle geeigneten Dachflächen für Solarenergie genutzt werden. Verpflichtend solle das aber nur bei gewerblichen Neubauten sein, bei privaten Neubauten solle es die Regel werden, heißt es in dem Papier. Freiflächenanlagen sollen für Kommunen attraktiver werden - sie sollen, wie schon bei Windkraftanlagen, finanziell von größeren Anlagen auf ihrem Gebiet profitieren.scr

Aus Politik und Zeitgeschichte

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