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Claus Peter Kosfeld
Teure Gewohnheiten und kluge Tipps

Die stark steigenden Kosten zwingen Privathaushalte zum Umdenken. Neue gesetzliche Vorgaben müssen beachtet werden

Die hohen Energiepreise und neue rechtliche Vorgaben zwingen Mieter und Eigentümer von Immobilien zum Umdenken. Die Kosten für Strom, Warmwasser und Heizung machen in Wohnungen und Häusern einen großen Teil der laufenden Ausgaben aus. Das war schon immer so, aber seit diesem Jahr ist im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) eine CO2-Abgabe auf Öl und Gas hinzugekommen, die derzeit bei 25 Euro pro Tonne liegt und bis 2025 weiter auf 55 Euro pro Tonne steigen soll.

Das hat nicht nur Auswirkungen an der Tankstelle. Wer mit Öl und Gas heizt, muss ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Die Neuregelung soll die energetische Gebäudesanierung befördern, die Kosten werden derzeit in Mietwohnungen aber nur von Mietern getragen.

Gesetzliche Vorgaben In dem 2020 beschlossenen Gebäudeenergiegesetz (GEG) werden zudem Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden festgelegt. Es regelt etwa die verpflichtende Nutzung von Energieausweisen sowie den Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden. Auch enthält das Gesetz Vorgaben für die Dämmung neuer Heizungs- und Warmwasserrohre sowie für obere Geschossdecken.

Der Energieausweis soll Mietern und Käufern helfen, sich für eine sparsame Immobilie zu entscheiden. Ab 2026 gelten überdies Einschränkungen für den Einbau von Öl- und Kohleheizungen. Der Wärmebedarf muss künftig zumindest anteilig durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Für alte Öl- und Gaskessel gilt nach 30 Jahren Laufzeit eine Austauschpflicht.

Im Gegenzug werden für die Installation umweltfreundlicher Heizsysteme staatliche Zuschüsse gewährt. Laut Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert der Staat mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen beispielsweise den Einbau von Pelletheizungen, Wärmepumpen und modernen Gas-Brennwertheizungen. Die KfW gibt auf ihrer Homepage wichtige Hinweise für eine energetische Gebäudesanierung und die Voraussetzungen für Förderanträge.

Heizen ist teuer Dominiert wird der Energieverbrauch in privaten Haushalten von der Heizung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entfielen 2019 rund 71 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf das Heizen, gefolgt von Warmwasser mit 14,7 Prozent sowie Haushalts- und Elektrogeräte mit 7,8 Prozent. Bei den Energieträgern im Wohnbereich lag 2019 Gas mit einem Anteil von 41,2 Prozent mit großem Abstand vorne, gefolgt von Strom mit 17,6 Prozent, Öl mit 17,2 Prozent und erneuerbaren Energien mit 15,1 Prozent.

Wer zu Hause effektiv heizt, kann viel Geld sparen. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, die Raumtemperatur genau im Blick zu behalten. Anders gesagt, überheizte Wohnungen sind oft der Grund für extreme Energiekosten. Mit programmierbaren Thermostaten lassen sich die Temperaturen je Zimmer und Tageszeit präzise steuern. Heizkörper sollten regelmäßig entlüftet und nicht zugestellt werden. Hinter den Heizkörpern kann eine Dämmfolie angebracht werden, um zu verhindern, dass Wärme über die Wand entweicht.

Das UBA rät von elektrischen Heizlüftern ab, die im Dauerbetrieb "Energie- und Geldverschwendung" seien. Laut "Heizspiegel", einem Ratgeber des Portals CO2online, lassen sich schon mit diesen einfachen Mitteln im Schnitt mehrere hundert Euro pro Jahr einsparen.

Duschen statt baden Verbreitet in Haushalten ist die Wasserverschwendung. Energieexperten raten daher, besser zu duschen als zu baden und einen Sparduschkopf, Durchflussbegrenzer oder Perlstrahler einzusetzen. Bei dieser Technik wird dem Wasser jeweils Luft beigemischt, der gefühlte Druck und das Volumen bleiben gleich. Beim Geschirrspülen von Hand sollte das warme Wasser nicht einfach laufen gelassen werden, eine Geschirrspülmaschine ist in dem Fall die effizientere Variante.

Wer Strom sparen will, sollte in moderne Geräte mit möglichst hoher Energieeffizienzklasse investieren. Das macht sich insbesondere bei Kühlschränken und Waschmaschinen schnell bezahlt. Laut UBA verbrauchen Kühl- und Gefriergeräte bis zu einem Fünftel des Stroms in Haushalten, da sie im Dauereinsatz sind.

Auch hier raten die Fachleute zur Temperaturkontrolle: Eine Temperatur von sieben Grad im Kühlschrank reicht aus. Kühlgeräte sollten in wenig oder gar nicht beheizten Räumen stehen, etwa im Keller, und nicht direkt neben dem Herd. Auch sollten Kühlschränke einmal im Jahr abgetaut werden, sofern sie keine eigene Abtaufunktion haben.

Für Haushaltslampen gelten EU-Vorgaben an Effizienz, Lebensdauer, Farbwiedergabe und Verbraucherinformationen. Die neue EU-Energieeffizienzkennzeichnung umfasst eine siebenstufige Skala von A (sehr gut) bis G (schlecht). Herkömmliche Glühlampen wandeln nur rund fünf Prozent der Elektroleistung in Licht um, den Rest in Wärme. Energiesparlampen erreichen einen viel höheren Wirkungsgrad und verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom, bei deutlich längerer Lebensdauer. In der EU wurden laut Stiftung Warentest 2020 schätzungsweise 1,5 Milliarden Leuchtmittel verkauft.

Leerlaufverluste Die eigentlichen Stromfresser lauern in Haushalten heute auch an Stellen, die vielleicht nicht jeder im Blick hat oder für unwesentlich hält. Viele Elektrogeräte verbrauchen nämlich auch dann noch Strom, wenn sie gerade gar nicht genutzt werden, sich aber weiter im Stand-by-Modus befinden. Das UBA hat errechnet, dass sich die Kosten dieser sogenannten Leerlaufverluste in Deutschland auf rund vier Milliarden Euro pro Jahr summieren.

Fernseher, Computer, Videorekorder, DVD-Spieler, Musikanlagen, Anrufbeantworter, Drucker oder Kopierer warten permanent auf Signale von Fernbedienungen oder Datenleitungen, wenn sie nicht ganz ausgeschaltet sind, oft rund um die Uhr. Manche Elektrogeräte haben gar keinen mechanischen Ausschalter mehr und können im Leerlauf erhebliche Kosten verursachen. Die Lösung: Schaltbare Steckdosenleisten, mit denen mehrere Geräte gleichzeitig vom Netz genommen werden können. Damit können laut UBA die Leerlaufverluste um bis zu 95 Prozent gesenkt werden.

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen, betrifft die Verträge mit den Versorgern. Bei einem regelmäßigen Anbieterwechsel können sich Verbraucher nicht nur für einen möglicherweise günstigeren Tarif entscheiden, sie profitieren oft auch von Boni, die für Neukunden ausgeschüttet werden. Das kann lukrativ sein.

Die Verbraucherzentrale gibt im Internet Hinweise, was bei einem Lieferantenwechsel konkret beachtet werden sollte, etwa, die Laufzeit möglichst auf ein Jahr zu begrenzen und keine Vorkasse zu leisten. Bei einem Anbieterwechsel muss auch niemand befürchten, am Ende ohne Strom oder Gas dazustehen, denn beim Ausfall eines Versorgers springt immer der örtliche Grundversorger ein. Auf Tarifportalen im Internet lassen sich die Angebote einfach und schnell vergleichen. Die Mühe lohnt sich in der Regel.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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