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Aschot Manutscharjan

Bücher dieser Qualität werden dringend benötigt: Populistische Parteien und Splittergruppen nutzen die Corona-Pandemie, um immer aggressiver gegen die parlamentarische Demokratie zu hetzen und sich dabei als Verteidiger der "Freiheit" zu gerieren. In einer profunden Studie erläutert der freie Journalist und taz-Kolumnist Andreas Speit die Entstehung dieser Bewegungen, ihre Argumentationsmuster und Ziele.

Speit beschreibt die "alternative Szene" in Deutschland mit ihren zahlreichen Milieus und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Sein besonderes Interesse gilt der "Programmatik" der sogenannten "Querdenker". Dabei wird deutlich, warum Anhänger der Grünen und Vertreter der linken Szene gemeinsam mit Reichsbürgern demonstrieren, flankiert von den Anhängern diverser Verschwörungsgruppierungen wie QAnon sowie linken und rechten Esoterikern. Besonders empfehlenswert sind die Kapitel über die Anthroposophen-Szene, die Anhänger der Tierrechtsbewegung und über die neurechte "Anastasia-Bewegung". Speit verweist auf die Endzeitstimmung, die vor allem von Extinction Rebellion verbreitet werde. Einer ihrer Gründer, bekannt für sein antisemitisches Gedankengut, rufe nachdrücklich zum zivilen Ungehorsam auf. Ungeachtet der vielen apokalyptischen Prophezeihungen über das Ende der Demokratie bleibt festzuhalten, wie reibungslos abgesehen von den Schwierigkeiten in Berlin die jüngste Bundestagswahl vonstattenging.

Wie im Fall der wunderbaren Streitschrift "Generation beleidigt" der französischen Feministin Caroline Fourest über die Extreme der Identitätspolitik werden auch die Kritiker von Andreas Speit schwerlich überzeugende Gegenargumente finden. Denn die "Alternativen" können ihm kaum als Konservativen oder Rechten brandmarken - bekannt wurde er durch seine herausragenden Recherchen zum Thema Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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