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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Unter den in der Corona-Pandemie erschienenen Büchern sticht die Arbeit des Makro- und Finanzökonomen Markus Brunnermeier besonders positiv heraus. Für seine "Resiliente Gesellschaft" erhielt er den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2021, selbst Wirtschaftsnobelpreisträger fanden lobende Wort. Brunnermeier gelingt es unterhaltsam darzulegen, warum "Resilienz", also die Fähigkeit "zurückzufedern", für unsere Gesellschaften immer wichtiger wird. Er belässt es dabei nicht bei theoretischen Überlegungen, sondern präsentiert Entscheidern und Bürgern zahlreiche Vorschläge und Ideen, wie sie künftig mit Krisen wie der Corona-Pandemie besser umgehen können.

Brunnermeier ist es wichtig, dass die Produktionssysteme grundlegend verändert werden. Bislang funktionieren sie nach dem Just-in-Time-Prinzip: Maximale Warenströme bei minimalen Beständen. Die globalen Wertschöpfungsketten müssten nach dem "Für-den-Fall-der-Fälle-Prinzip" umgebaut werden, damit sich die Wirtschaft nach einem Schock rasch erholen könne. Dafür seien Sicherheitsbestände "nützlich, weil sie es ermöglichen, Schocks zu absorbieren." Voraussetzung sei jedoch eine "Neuordnung unseres Denkens zugunsten der Resilienz" und neue Kosten-Nutzen-Rechnungen. Der Autor bekräftigt, Resilienz mindere nicht nur die negativen Wirkungen von Krisen, sondern sie eröffne mehr Chancen und Möglichkeiten für eine rasche Erholung der Wirtschaft. Damit sei Resilienz ein wichtiger Bestandteil von Nachhaltigkeit, denn bereits kleine Schocks könnten schädliche Rückkopplungsschleifen auslösen.

Nachdrücklich plädiert Brunnermeier dafür, den Menschen in diesem Umgestaltungsprozess Eigenverantwortung zuzugestehen. Außerdem schlägt er den Abschluss eines neuen Gesellschaftsvertrages für die "Post-Corona-Gesellschaft" vor. Resilienz könne hierbei als Polarstern dienen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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