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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Der Politökonomin und Nachhaltigkeitsforscherin Maja Göpel geht es nicht um schmelzende Eisberge oder einen steigenden Meeresspiegel. Ausnahmsweise steht einmal nicht der Klimawandel im Vordergrund, sondern der Umgang mit den Ressourcen Energie und Arbeitskraft, Gerechtigkeit und Menschenrechten. Göpel betrachtet die Welt als Gesellschaftswissenschaftlerin und stellt den Lesern keine neuen, aber zunehmend drängende Fragen: Wie konnte es so weit kommen, dass die Menschheit den Planeten, "den einzigen, den sie zur Verfügung hat", an den Rand des Zusammenbruchs brachte? Wie gehen die Menschen mit der Natur um? Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

Als Merkmale für Wohlstand gelten nach wie vor monetäre statt physikalische oder biologische Indikatoren. Göpels Fazit: Die Industriegesellschaften haben sich in einer "Scheinrealität eingerichtet". Allein in den vergangenen 30 wurde die Hälfte des von Menschen verursachten Kohlendioxids ausgestoßen. Wenn nichts passiere, drohe der Erde in den kommenden 30 Jahren der Erstickungstod. Göpel problematisiert vor allem die globale Ungleichheit: Das Wirtschaftswachstum habe Einzelne ungeheuer reich gemacht, während die Masse der Menschen davon nicht profitiere. Wenig überraschend plädiert sie für eine weltweit gerechte Verteilung der Ressourcen. Allerdings lässt sie dabei die geopolitischen Interessen der Großmächte außen vor. Aus gutem Grund - ansonsten zerfiele ihr Konstrukt wie ein Kartenhaus.

Auch wenn Göpel mitunter wie ein wiedergeborener Konfuzius daherkommt, trifft sie den Nerv der Wohlstandsgesellschaften. Sie überzeugt auch deshalb, weil sie sich nicht aus dem Elfenbeinturm meldet, sondern im realen Leben für Gerechtigkeit eintritt. Diese beste Predigt des Jahres sollte jeder gelesen haben - allein schon um sein Konsumverhalten zu hinterfragen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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