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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

"Metro-2022" lautete am 28. Februar die Schlagzeile der letzten unabhängigen russischen Zeitung "Novaja gazeta". Ein Foto zeigte Zivilisten in der Kiewer U-Bahn, die Schutz vor russischen Bomben suchen. Diese Menschen erleben gerade eine Apokalypse, die einer der bekanntesten russischen Schriftsteller, Dmitrij Glukhovsky, in seinem Weltbestseller "Metro-2033" inszenierte, der in 40 Sprachen übersetzt wurde.

Glukhovsky gehört zu den Autoren, die sich offen gegen das politische Regime in ihrer Heimat aussprechen: Das System "entmenschlicht die Menschen, bevor es sie frisst". Tatsächlich lebt das russische Volk stets in der Erwartung "neuer Katastrophen", aktuell ist es der Angriffskrieg gegen die Ukraine.

"O Gott! Was für eine Ehre! Was für eine unverdiente Gottesgnade: Ich kenne das russische Alphabet", jubelte einst der aus der Sowjetunion vertriebene Autor Sergej Dovlatov. Vor ihm hatte schon der russische Schriftsteller Iwan Turgenew "die große, mächtige gerechte und freie russische Sprache" als seine Stütze und Hoffnung gewürdigt. Im Gegensatz dazu bricht Glukhovsky mit der Verherrlichung der "heiligen" russischen Sprache und macht aus ihr eine Massenvernichtungswaffe. In seinem dystopischen Roman "Der Posten" werden Menschen, die in einer festgelegten Reihenfolge russische Buchstaben und Wörter aussprechen, zu Besessenen, die selbst ihre eigenen Kinder töten. Der Moskauer Großfürst setzt die Waffe gegen die eigene Bevölkerung ein, die er als "Separatisten" verunglimpft. Daraufhin isoliert die Menschheit Russland, um die Übertragung der Seuche zu verhindern. Dazu gehört auch das Verbot, Russisch zu lernen.

Der frühere Journalist Glukhovsky entwirft ein düsteres Szenario, dass sich aktuell wie eine Parabel liest. Im Kreml herrscht unterdessen ein realer Potentat, der meint, das "wahre und orthodoxe" Russland zu verkörpern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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