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Claus Peter Kosfeld
Teststrategie für den Herbst

Gesundheitsexperten sehen anlasslose PCR-Massentests kritisch. Sachverständige verwiesen in einer Anhörung vergangene Woche über einen Antrag der Linksfraktion auf die hohen Kosten und den begrenzten Nutzen. Die Linksfraktion fordert in dem Antrag (20/1005) kostenlose und anlasslose PCR-Bürgertests.

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) erklärten, ein massenhaftes PCR-Screening wäre mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Hinsichtlich der erreichbaren Schutzziele gebe es keinen Bedarf an anlasslosen Massentestungen, insbesondere nicht mit der PCR-Methode. Für den Nutzen gebe es keine Evidenz, die den finanziellen Aufwand rechtfertigen würde.

Skeptisch äußerte sich auch der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH). Die Nationale Teststrategie basiere auf einer Differenzierung, wobei PCR-Tests für die Diagnostik bei klinischen Fällen und Verdachtsfällen sowie zum Schutz vulnerabler Gruppen eingesetzt würden. In anderen Fällen sei der Einsatz von Antigen-Schnelltests sinnvoll.

Der Einzelsachverständige Werner Bergholz schlug vor, ausschließlich symptomatische Personen mit PCR zu testen. Damit lägen die Ergebnisse der PCR-Tests schneller vor. Daneben sollte regelmäßig eine repräsentative Stichprobe mit PCR getestet werden, um ein repräsentatives Bild des Infektionsgeschehens zu bekommen.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) forderte eine gezielte Vorbereitung auf den Herbst und Winter. Die Bundesregierung müsse Vorsorge treffen, die auch die Testverfügbarkeit einschließlich Infrastruktur umfasse. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte, die pflegenden Angehörigen bei der Teststrategie besser zu berücksichtigen. Diese hätten oft keine Chance auf eine PCR-Testung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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