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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Das Buch der Stunde wurde lange vor Russlands Angriff auf die Ukraine geschrieben: Präzise werden in "Verbot und Verzicht" die Auswirkungen steigender Rohstoffpreise auf die westeuropäischen Wohlstandgesellschaften prognostiziert. Die jahrzehntelang eher abstrakt geführten Debatten über die Ausbeutung des Planeten und die Klimakatastrophe sind inzwischen fester Bestandteil des konkreten Regierungshandelns. Werden wir jetzt unsere Konsumgewohnheiten und unsere Art zu leben ändern? Oder muss der Staat aktiv eingreifen und eine "Ökodiktatur" errichten, um die Ressourcen zu schonen?

Philipp Lepenies, Ökonom und Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin, gibt Antworten auf diese Fragen. Er erläutert, warum einem demokratisch legitimierten Staat lange das Recht abgesprochen wurde, das Verhalten seiner Bürger zu reglementieren. Und warum stattdessen ein "unbegrenzter individueller Konsum als freiheitliche Norm idealisiert" wurde. Eine Ursache ist laut Lepenies die Digitalisierung; Sie habe individuelle Konsumentscheidungen als soziales Ordnungsprinzip an erste Stelle gesetzt. Zudem gebe es eine "hysterische Abwehrreaktion gegen Transformation" und persönliche Einschränkungen. Ein System jedoch, in dem Kim Kardashians Konsumverhalten und ihr Wettbewerb um Aufmerksamkeit einen Wert darstelle, gefährde die "Überlebensfähigkeit unserer Demokratie". Tatsächlich hätten die Verbots- und Verzichtsvorschläge allein den Zweck, die negativen Effekte unseres Konsumverhaltens auf das Klima abzumildern.

Lepenies zitiert den Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen, der bereits vor 35 Jahren auf die Notwendigkeit einer alternativen Entwicklung hingewiesen hatte. Mehr Nachhaltigkeit sei "kein ideologisches Hirngespinst", sondern für das Überleben der Menschheit unerlässlich. Mit seinem Buch ist Lepenies eine überzeugende Kritik des Neoliberalismus gelungen. manu

Aus Politik und Zeitgeschichte

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