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Vor 5 Jahren...
Benjamin Stahl
Ehe für alle wird möglich

1.10.2017: Eine historische Entscheidung. Volker Beck gehörte zu den ersten: Am 1. Oktober 2017 gab der Grünen-Abgeordnete seinem Partner das Ja-Wort. Insgesamt neun homosexuelle Paare heirateten an diesem Sonntag in der Hauptstadt, dem Tag an dem die sogenannte "Ehe für alle" nach jahrzehntelangem Kampf für Gleichberechtigung möglich wurde. Zwar konnten gleichgeschlechtliche Paare bereits seit 2001 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zusammen sein. 2015 lebte rund die Hälfte der bundesweit 94.000 homosexuellen Paare in einer solchen Partnerschaft. Allerdings waren sie heterosexuellen Eheleuten nicht gleichgestellt. Benachteiligungen im Miet-, Erb- oder Steuerrecht wurden nach und nach beseitigt, aber etwa beim Thema Adoption von Kindern blieben Unterschiede.

Im Juni 2017 hatte der Bundestag die "Ehe für alle" beschlossen, wonach schwule und lesbische Paare mit allen Rechten und Pflichten heiraten können. Die Entscheidung wurde als "historisch" eingestuft. 226 Abgeordnete stimmten mit Nein, 393 mit Ja - darunter 75 Angehörige der Unionsfraktion, wo die gleichgeschlechtliche Ehe stets auf Widerstand stieß. So stimmte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Nein. "Für mich ist die Ehe im Grundgesetz die Ehe von Mann und Frau", erklärte sie nach der Abstimmung. Dieser Ansicht war auch der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier. Er hielt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare für verfassungswidrig. Die Meinung setzte sich nicht durch, im März 2018 verzichtete auch die bayerische Landesregierung auf eine Verfassungsklage. Bis 2021 heirateten in Deutschland mehr als 65.000 homosexuelle Paare.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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