Inhalt

Gastkommentare - Contra
Margaret Heckel
Völlig utopisch

Ist eine Impfpflicht kontrollierbar?

Für Diskussionen über die Impfpflicht gibt es ein interessantes Beispiel - die Pflicht zur Masern-Impfung. Sobald Kinder in den Hort oder die Schule kommen, muss ihr diesbezüglicher Impfstatus offen gelegt werden. Ansonsten droht ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro.

Obwohl dies bundesweit seit März 2020 gilt, dürften bislang kaum impfunwillige Eltern mit dem Bußgeld belegt worden sein. Zwar scheint der Meldeweg von der Schule zum Gesundheitsamt gut zu funktionieren. Ab dann jedoch ist Informationsnebel: Weder gibt es ein zentrales Register, noch werden die Zahlen gesammelt und veröffentlicht. Medienberichte aus Berlin sprechen von rund 500 Verstößen. Die seien dann von den Ämtern abtelefoniert worden. Kein einziges Mal wurde ein Bußgeld-Bescheid ausgestellt.

Wenn es aber schon bei rund 750.000 Kinder pro Geburts-Jahrgang nicht gelingt, eine Impfpflicht zu kontrollieren, ist das bei 83,24 Millionen Menschen hierzulande vollkommen utopisch.

Tatsächlich aber kommt es auf eine lückenlose Kontrolle gar nicht an. Es geht um das Signal: Wir als Gesellschaft in Deutschland setzen uns die Norm, gegen Corona geimpft zu sein.

Das ist der entscheidende Schritt - die Normsetzung. Normal ist, geimpft zu sein. Normal ist, rote Ampeln zu beachten. Normal ist, andere Menschen nicht zu bestehlen.

Diese Normsetzungen erleichtern das menschliche Miteinander. Sie beenden endlose Debatten. Und statt einer lückenlosen Kontrolle gibt es immer auch noch den Weg der öffentlichkeitswirksamen und damit abschreckenden Kontrolle - beispielsweise in einer Einrichtung oder einem Stadtteil.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag