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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Zwei der prominentesten britischen Wirtschaftswissenschaftler erläutern in ihrem empfehlenswerten Buch, wie Individualismus, Egoismus und Gier demokratische Gesellschaften zerstören können und warum Politik den Zusammenhalt fördern muss. Doch ungeachtet der negativen Auswirkungen der Weltfinanzkrise des Jahres 2008 seien Politiker und Wirtschaftskapitäne in der Folgezeit nicht bescheidener aufgetreten, monieren Paul Collier und John Kay. Der Aufstieg der Individualismus habe die Demokratien zusätzlich geschwächt in ihrem Bestreben, gemeinschaftliche Ziele zu erreichen.

Eine im Oktober 2019 veröffentlichte Studie der Johns-Hopkins-Universität kam zu dem Ergebnis, dass die USA, Großbritannien und die Niederlande zu den Staaten gehören, die am besten auf die Bewältigung einer Pandemie vorbereitet sind. Doch schon wenige Monate später offenbarte die Corona-Pandemie völlig gegenteilige Resultate. Tatsächlich gehören die traditionellen Demokratien Großbritannien, Frankreich und die USA zu den Staaten mit den höchsten Sterblichkeitsraten weltweit. Doch warum reagieren Nationen so unterschiedlich auf die Pandemie? Collier und Kay verweisen darauf, dass es sich im Fall der USA um eine hochindividualistische Gesellschaft handelt und bei Großbritannien und Frankreich um zentralistische Staatswesen. Demgegenüber loben sie Deutschland und die Schweiz wegen des dort vorhandenen ausgeprägten Gemeinsinns. Das rege Vereinsleben in Deutschland werten sie als ein Fundament der Demokratie. Allerdings gefährde der "expressive Individualismus" der Rechten genauso wie die Identitätspolitik der progressiven Linken die Gemeinschaft. Die resultierenden Kulturkriege führten zu Polarisierungen, die Gemeinschaften zerstören könnten. Anstatt über moralische Wahrheiten zu streiten, sollten die Menschen besser über das Ende der Gier nachdenken.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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