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Volker Homes
Unverzichtbarer Beitrag

Bildung, Forschung und Programme zur Auswilderung sind Teil der Arbeit von Zoos

Es gibt rund 200 Tierarten, bei denen Zoos eine entscheidende Rolle darin gespielt haben, dass diese überleben konnten. Europäische Wisente zum Beispiel oder Przewalski-Pferde wären bereits ausgestorben, hätten die Zoos sie nicht wieder in der freien Wildbahn angesiedelt. Alleine in den Jahren 2018 und 2019 wurden aus den Mitgliedzoos des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) mehr als 3.000 Tiere aus 46 Arten in die Wildnis zurückgebracht, darunter der Europäische Feldhamster, das Europäische Wisent und der Waldrapp. In dieser Funktion werden moderne Zoos immer wichtiger, denn gerade die kleinen Arten aus der Gruppe der Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische brauchen zukünftig mehr Erhaltung durch Nachzucht und Wiederansiedlung.

Moderne Zoos haben sich dem Erhalt von Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt verschrieben. Zoos sind einzigartige Orte mit einer Vielfalt an Arten, die gepflegt, gezüchtet und, wo machbar, wieder in die Wildnis verbracht werden. Dass Zoos inzwischen Artenschutzzentren sind, liegt nicht nur an den engagierten Mitarbeitern, sondern ist die Voraussetzung, um in der EU als Zoo anerkannt zu werden.

Forschung und Bildung Den Rahmen setzen die EU-Zoorichtline und das Bundesnaturschutzgesetz. Artenschutz steht bei den Zoos für den Erhalt von Arten in der Wildnis, in menschlicher Obhut, für die Forschung sowie die Bildung von Millionen von Menschen, die die Zoos besuchen.

Für moderne Zoos steht der Erhalt der Arten in der Wildnis dabei an erster Stelle. Die Roten Listen bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN werden jedes Jahr länger und Experten des Weltbiodiversitätsrates rechnen mit mehr als einer Million Arten, die in den kommenden Jahrzehnten aussterben können. Es ist daher höchste Zeit, zu handeln.

Alle sind gefragt Dass diese Aufgabe von der gesamten Gesellschaft getragen werden muss, steht außer Frage. Zoos können Wissen vermitteln, die Vielfalt der Arten aufzeigen und noch mehr: sie erlebbar machen. Im Jahr 2019 besuchten über 45 Millionen Menschen die 71 VdZ-Zoos in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Von diesen wiederum wurden über 1,2 Millionen Menschen durch besondere Bildungsangebote zur Nachhaltigkeit angesprochen, etwa in Führungen oder bei Besuchen der Zooschulen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene profitieren dabei am größten außerschulischen Bildungsort für Natur von diesen Angeboten und das, wie Studien belegen, mit Erfolg. Auch in der Naturbewusstseinsstudie des Bundesamtes für Naturschutz stehen Zoos hoch im Kurs.

In der Wildnis liegt die Quote der bedrohten Arten bei etwa 30 Prozent und so ist es auch etwa bei den im Zoo gehaltenen Arten. Ein einzigartiger Beitrag von Zoos sind die Arterhaltungszucht-Programme (EEPs). Hier arbeiten die Einrichtungen des Europäischen Zooverbands EAZA in mehr als 400 EEPs zumeist zu bedrohte Arten zusammen, wie zu Menschenaffen-, Kranich- oder Fischarten, von denen letztere in der Natur teilweise bereits ausgestorben sind.

Zusammengenommen sind es weltweit über 1.000 Arterhaltungszucht-Programme, in denen die Zoos international engagiert sind. Das Gute daran ist, dass diese Tiere zum Erhalt der Arten getauscht und nur noch selten der Wildnis entnommen werden. Die meisten Tiere kommen aus erfolgreicher Nachzucht.

Bedeutend ist auch die Kooperation von öffentlichen Tierhaltungen mit Privathaltern im Programm "Citizen Conservation". Denn häufig gibt es nicht ausreichend Platz für die Haltung in menschlicher Obhut, so dass ausgewählte Privathalter ihre Expertise einbringen, zum Beispiel beim vom Aussterben bedrohten "Schrecklichen Pfeilgiftfrosch". Zoos investieren auch immer mehr Geld in die Wildnis, etwa in Kooperationen mit Naturschutzorganisationen wie der Stiftung Artenschutz. Sie spielen eine zunehmende Rolle als Teil der Lösung der Artenkrise. Denn nur wenn die Menschen die Arten kennen, werden sie sich für deren Schutz einsetzen.

Volker Homes ist Geschäftsführer des Verbands

der Zoologischen Gärten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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